Gefahren durch Sucht und Drogen den Schülern vor Augen geführt
Schilderungen der Anonymen Alkoholiker und Aktionstheater beeindrucken

Hauenstein. Dass Drogen gefährlich sind, weiß doch jedes Kind. Ist das so? Wie gefährlich sie wirklich sind, wurde den Schülern der achten bis zehnten Klassen an der Hauensteiner Wasgauschule in einer Aktionswoche gegen Süchte und Drogen deutlich vor Augen geführt.

Von einer Kollegin auf die Idee gebracht, wurde Schulsozialarbeiterin Angelika Moser bei der Schulleitung vorstellig und erhielt sofort grünes Licht. "Mir fiel auf, wie früh heute schon Kinder und Jugendliche anfangen, Alkohol und Zigaretten auszuprobieren. Die Jüngsten sind gerade mal elf Jahre alt", erläuterte Moser den Hintergrund der Aktion. Zusammen mit Fred Feibert von der Kreisverwaltung klärte sie in Verbindung mit den Lehrern die Schüler eine Woche lang darüber auf, was Sucht bedeutet und wohin sie führt. Unterstützt wurde das Projekt von den Anonymen Alkoholikern. Hautnah, anhand der persönlichen Lebens- und Leidensgeschichte, erfuhren die Schüler, wie langsam und anfangs unmerklich die Betroffenen in die Abhängigkeit hineingeraten, wie die Sucht ihr gesamtes Leben veränderte - und schließlich zerstörte. Regelrecht schockiert waren die Jugendlichen, als sie erfuhren, dass niemand vor der Alkoholsucht gefeit ist und wie schnell ein sozialer Abstieg damit verbunden ist. So rutschte die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe so tief in das Milieu ab, dass ihre Umwelt sie sogar als asozial empfand und sie durch die Trinksucht schließlich ihren Job verlor. Zum Abschluss der Aktionswoche erwartete die Schüler eine nicht alltägliche Theateraufführung. In beinahe beängstigend realistischer Performance konfrontierte Heinz Diedenhofen alias Kai die Schüler der achten bis zehnten Klassen mit einer unter Jugendlichen weit verbreiteten Suchtform: Computerspiele und Internet. In der ungeschminkten Sprache der Jugendlichen, jedoch ohne anbiedernd oder belehrend zu wirken, spielte Diedenhofen einen computerabhängigen Jugendlichen und hielt den Schülern regelrecht einen Spiegel vor. Und er verfehlte seine Wirkung nicht, denn aus den spontanen Reaktionen des jungen Publikums war deutlich zu entnehmen, dass sich viele in Teilen selbst wiedererkannten. Im anschließenden Gespräch wies der Künstler auch darauf hin, dass das Internet "nichts vergisst" und Pädophile beispielsweise einfach an die Adressen ihrer Opfer herankommen. Auch die beliebten "Ballerspiele" kamen zur Sprache. Betroffen wurde den Schülern wohl erstmals klar, dass diese Spiele ursprünglich erfunden wurden, um die Tötungshemmung amerikanischer Elitesoldaten herabzusetzen. Im Gespräch mit der Pirmasenser Zeitung zogen die 15-jährigen Neuntklässler Yannik, Anke , Simon und die 14-jährige Tamara aus der achten Klasse ein kleines Resümee. Am meisten beeindruckte die Schüler das Theaterspiel, das sie als sehr lebensecht empfanden. Alle gaben zu, beim Chatten oder Spielen am PC das Zeitgefühl nahezu völlig zu verlieren. "Ich habe eine ganze Reihe von Mitschülern und Freunden darin wiedererkannt", äußerte sich Yannik, der selbst eher wenig Interesse an Ballerspielen bekundet. Das betätigte auch Tamara. "Ich kenne Leute zwischen zehn und 16 Jahren, die tagelang an Lan-Parties teilnehmen und Pillen schlucken, um wach zu bleiben. Die sehen dann nicht gerade toll aus und sind total aufgedreht, völlig außer Rand und Band", schilderte sie auch die damit verbundene Abhängigkeitsspirale. Besonders im Gedächtnis verhaften blieb Simon die Lebensgeschichte der Anonymen Alkoholiker. "Es ist schon tragisch, wie der Alkohol das Leben und die Ehe zerstören kann, so dass man sogar von Freunden gemieden und als asozial beschimpft wird", schilderte der 15-Jährige seine nachhaltige Bestürzung. Die Erfahrungen hätten ihn in seiner Entscheidung, keinen Alkohol zu konsumieren, nur bestätigt, bekräftigte auch Yannik. "Ich hatte den Eindruck, dass manche Schüler sich selbst darin wiedererkannten, wie die Abhängigkeit langsam anfängt und der Weg dann vorgezeichnet ist", ergänzte Anke. Zufrieden mit dem Ergebnis, beurteilte die Sozialarbeiterin abschließend die Aktion als erfolgreich. Was sie noch erreichen möchte, sind ständige Wiederholungen in gewissen zeitlichen Abständen. "Erfahrungsgemäß ist es so, dass das meiste zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinausgeht. Doch ein wenig bleibt immer hängen", begründete Moser ihr langfristiges Ziel. (fri)
© Copyright Pirmasenser Zeitung • Montag, 08. Februar 2010



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