Ärger im Hauptausschuss wegen Weiner-Brief
Nach SPD-Protesten Beschluss über Sanierungsgebiet vertagt

Ärger hat's hinter verschlossenen Türen am Montag im Hauptausschuss gegeben. Nach Protesten von SPD-Fraktionschef Norbert Stretz hat Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis das erste Thema von der Tagesordnung genommen.

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Die Loeser-Villa in der Lemberger Straße. (Foto: Scharf)
   
 
Unter Punkt 1.1. wollte das Gremium beschließen, die vorbereitende Untersuchungen für das anvisierte Sanierungsgebiet Lemberger Straße/ Landauer Tor um zahlreiche bebaute und unbebaute Grundstücke zu erweitern. Damit wäre auch die marode Loeser-Villa in das Gebiet gerutscht. Das pikante an dem Fall: CDU-Stadtrat Thomas Weiner versucht in seiner Eigenschaft als Immobilienmakler das marode Haus einem Investor schmackhaft zu machen und hat mögliche Investoren auch schon schriftlich signalisiert, dass mit einer Aufnahme des Hauses ins Sanierungsgebiet zu rechnen sei. Für die in Zeiten des aufkommenden Wahlkampfs kritischere SPD hat der Fall "ein Geschmäckle". Den Pirmasenser Genossen stößt vor allem auf, dass Weiner schon Schreiben mit dem Hinweis auf das Sanierungsgebiet verschickt haben soll, obwohl das Thema noch mit keiner Silbe in den politischen Beschlussgremien besprochen war. Die SPD will deshalb klipp und klar wissen, woher der Immobilienmakler diese Vorab-Informationen hatte. "Vorher werden wir nicht zustimmen. Die Ungereimtheiten müssen aufgeklärt werden", machte Fraktionschef Norbert Stretz auf PZ-Anfrage deutlich. Die SPD-Kritik wies Weiner gestern auf PZ-Anfrage zurück. Er versicherte von Seiten des Bauamtes sei ihm signalisiert worden, dass geplant sei, die Villa ins künftige Sanierungsgebiet aufzunehmen. Von sich aus sei er in dieser Sache nicht aktiv geworden. Die beiden Interessenten hätten nicht verlangt, das Haus wegen eventueller steuerlicher Vorteile ins Sanierungsgebiet aufzunehmen. Um Kritik wegen möglicher mittelbarer Vorteilsnahme erst gar nicht aufkommen zu lassen, habe er auch extra einen Ersatzmann in den Hauptausschuss geschickt. An der Villa verdiene der nichts, die Rettung des bauhistorischen Schmuckstücks in der Lemberger Straße liege ihm aber persönlich sehr am Herzen, versicherte der Landtagsabgeordnete. Oberbürgermeister Matheis teilte der PZ schriftlich mit, dass er sich nicht erklären könne, wie es zu dem von der SPD beanstandeten Schreiben Weiners kam. Er habe deshalb vorgeschlagen, Weiner in einer der nächsten Sitzungen auf die Kritik anzusprechen. Bis dahin werde die Vorlage zurückgestellt, schreibt der OB ohne den Namen Weiner in seiner Stellungsnahme zu nennen. Matheis wies auch ausdrücklich darauf hin, dass die Stadt in der Vergangenheit offensiv mit den Möglichkeiten umgegangen sei, die ein Sanierungsgebiet biete, wenn es darum gehe, Investoren für alte Bausubstanz oder Industriebrachen zu finden. Wie Weiner bestätigte, hat er zwei potenzielle Investoren an der Angel: Einen einheimischen Handwerker und eine vorderpfälzische Gesellschaft, die sich auf die Renovierung und Vermarktung alter Häuser spezialisiert hat. Das Vormundschaftsgericht hat den Wert der 100 Jahre alten Villa mit einer Wohnfläche von 500 bis 600 Quadratmetern auf 77000 Euro festgesetzt. Ein Angebot liegt bisher unter dieser Summe. Um Investitionen zu erleichtern, war vor einigen Wochen der Denkmalschutz für das Gebäude aufgehoben worden. Der Besitzer, der ehemalige Fotograf Loeser, lebt im Altersheim und steht wegen einer Erkrankung unter Betreuung. (pio)
© Copyright Pirmasenser Zeitung • Mittwoch, 12. November 2008



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