Mit Jobticket nichts am Hut
In Pirmasens und Südwestpfalz wird die preisgünstige Fahrkarte nicht genutzt
36600 Menschen fahren im Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) derzeit mit einem Jobticket zur Arbeit. 510 Firmen subventionieren mit einer Mindestabgabe von 7,50 Euro pro Mitarbeiter die Jahresfahrkarte zum Monatspreis von 31 Euro.
Die Bilanz für Pirmasens und auch den Landkreis ist ernüchternd: Kein einziges Unternehmen macht mit, Jobticket-Fahrer gibt es auch keine. Dies sagte Axel Thiemann, der Sprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar mit Sitz in Mannheim, auf PZ-Anfrage. Die Fahrkarte wurde im April 1992 eingeführt und ist zwölf Monate gültig. Sie gilt für das gesamte VRN-Gebiet von Homburg im Westen bis ins fränkische Würzburg im Osten sowie vom elsässischen Weißenburg bis nach Wörrstadt im Norden. Die Karte, versehen mit einem Passbildchen, darf nicht nur für den Weg zur Arbeit eingesetzt werden. Werktags ab 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen dürfen noch vier Personen kostenlos im gesamten VRN-Gebiet mitgenommen werden. Fahrräder und auch Pedelecskönnen mit in den Zug. Wer in kleinen Betrieben arbeitet, geht allerdings leer aus. Denn nur Arbeitgeber mit 20 Beschäftigten und mehr können eine Vereinbarung mit dem VRN treffen, damit die Mitarbeiter relativ preisgünstig zur Arbeit kommen. Das Jobticket ist nach Angaben Thiemanns auf Antrag bei allen Verkehrsbetrieben im VRN-Gebiet erhältlich und gilt grundsätzlich ein Jahr. Nach PZ-Informationen gibt es immer mal wieder Unruhe in Belegschaften, weil Arbeitgeber aus Kostengründen nicht dem Finanzierungspool beitreten wollen. So hat beispielsweise Opel in Kaiserslautern keinen Vertrag mit dem VRN abgeschlossen. Auch die Stadt Kaiserslautern will sich nicht an der Subventionierung der Pendlerkarte beteiligen, um den klammen Etat nicht weiter zu belasten. Mitarbeiter der Verwaltung sollen deshalb schon beim Personalrat vorgesprochen haben. Ein Zugfahrer aus Überzeugung ist Tobias Klaffke. Seit Januar pendelt er mit dem Jobticket von Kaiserslautern an seinen Arbeitsplatz bei der Ludwigshafener Firma Digitale Pre- Press im Rheinberger-Komplex. Gäbe es die Pendlerkarte nicht, müsste sich der 27-Jährige ein Rhein-Neckar-Ticket für 69 Euro/Monat kaufen, da er gar kein Auto besitzt. Diese Karte berechtigt allerdings nicht zur Mitnahme von anderen Personen. Klaffke wurde schriftlich von seinem Arbeitgeber über das Jobticket informiert und griff dann auch sofort zu. Wer im VRN-Gebiet zuggünstig wohnt, aber außerhalb arbeitet, kann mit der Pendlerkarte bis zum letzten VRN-Bahnhof fahren und muss dann eine im Verhältnis relativ teure Anschlusskarte lösen. Die kostet zum Beispiel nach Saarbrücken und zurück 14,20 Euro und ist nur einen Tag gültig. Eventuell gibt es aber wesentlich billigere Lösungen, sagt VRN-Sprecher Axel Thiemann, der den Bahn- und Busfahrerin riet, sich in solchen Fällen beim benachbarten Verkehrsverbund genau zu informieren. (pio)
© Copyright Pirmasenser Zeitung • Samstag, 31. Juli 2010