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Sport 07.10.2017

Arbeitsmodus statt Party-Time

Löw startet WM-Feinschliff – Morgen Qualifikationsabschluss in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan

Zum Feiern ist noch keine Zeit. Nach der geglückten WM-Qualifikation startet Joachim Löw mit dem Spiel gegen Aserbaidschan die Detailplanungen für Russland 2018. Trotz der Siegesserie sieht der Bundestrainer noch viel Arbeit.

BELFAST/MAINZ. Mats Hummels war „zufrieden und stolz“ und versprühte Vorfreude auf den russischen WM-Sommer. Eine Party gab es für die deutschen Fußball-Weltmeister nach der im Champions-Stil geschafften Qualifikation nicht – die große Sause soll es in neun Monaten nach dem Finale in Moskau geben. „Wenn wir mit der Mannschaft, die wir haben, topfit in die WM gehen, werden wir auf jeden Fall einer der Favoriten sein“, sagte Abwehrchef Hummels.
Für Joachim Löw geht die Arbeit für die Titelverteidigung 2018 nach dem dominanten 3:1 in Nordirland und vor dem Qualifikationsabschluss gegen Aserbaidschan jetzt richtig los. „Insgesamt bin ich zufrieden. Aber wir müssen uns Richtung WM weiter verbessern“, sagte der Bundestrainer. Auf Toni Kroos muss er morgen in Kaiserslautern verzichten. Der Mittelfeldantreiber reiste wegen seiner Rippenverletzung gestern aus Belfast zurück nach Madrid.
„Wir wissen, was wir an Toni haben. Wenn es darauf ankommt, können wir uns immer auf ihn verlassen. Entscheidend für uns ist, dass die Spieler im nächsten Jahr topfit sind und bis dahin gut und gesund durch die lange und kraftraubende Saison kommen“, sagte Löw. Der Bundestrainer weiß: Nun kommen andere Gegner. „Es war absolut in Ordnung heute. Wir haben gemacht, was wir tun mussten, aber es gibt Spiele, da findet ein höheres Tempo und eine höhere Intensität statt“, sagte Löw und dachte an Kontrahenten vom Kaliber England, Frankreich, Spanien und Brasilien, gegen die im November und März der WM-Ernstfall gleich viermal getestet wird.
Für einen Partymodus bei der Nationalmannschaft sah der Weltmeistertrainer jedenfalls keinen Anlass. Nicht einmal eine gute Flasche Rotwein wollte Löw öffnen, geschweige denn seine Spieler in die Pubs von Belfast entlassen. „Das wäre nicht professionell. Wir haben am Sonntag ein Spiel in Kaiserslautern vor 30 000 Fans. Da wollen wir mit einem Sieg nachlegen“, versprach Löw. Im Fritz-Walter-Stadion soll mit dem zehnten Sieg im zehnten Spiel die makellose Qualifikationsrunde als „beste in der Historie“ (Löw) vollendet werden. „Es wäre ärgerlich, sich zu Hause gegen Aserbaidschan die tolle Bilanz ein bisschen zu versauen“, sagte Hummels.
In Belfast wurde schon der eigene Torrekord aus dem Jahr 2013 übertroffen. 38 Treffer sind einer deutschen Auswahl seit 1934 in einer WM-Qualifikation nie gelungen. Und doch ist das Erreichen der WM-Endrunde nur der erste Schritt auf dem Weg zu Löws großem Ziel: der erfolgreichen WM-Titelverteidigung. „Steigern müssen wir uns beim Turnier bei jedem Spiel“, sagte der 57-Jährige.
Auch Oliver Bierhoff machte den Unterschied zwischen dem Abend im Windsor Park und dem anstehenden Aserbaidschan-Duell auf dem Betzenberg zu dem, was die DFB-Elf in Russland erwartet, deutlich: „Die Welt schaut schon auf uns und sieht, was wir beim Confed Cup gemacht, was wir in der Qualifikation gemacht haben. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht glauben, dass es ein Selbstläufer ist“, sagte der Teammanager.
Und doch ist allen klar: Mit diesem Potenzial kann der Selbstanspruch nur der fünfte WM-Titel sein. „Wir dürfen es nicht überbewerten, aber wir haben gezeigt, dass wir die Qualität haben und den gewissen Geist. Das macht uns Hoffnung, dass wir gut gewappnet nach Russland gehen“, sagte Bierhoff. Genauso abgeklärt wie Löw und Bierhoff die Lage analysierten, hatten zuvor Kroos und Co. den Nordiren die Grenzen aufgezeigt. Nach den frühen Toren von Sebastian Rudy und Sandro Wagner konnte keine Unruhe mehr aufkommen. Joshua Kimmich erhöhte, bevor in der Nachspielzeit Josh Magennis für die Gastgeber traf.
Löw rief umgehend die nächste Experimentierphase aus. „Ich glaube, dass es jetzt die Möglichkeit gibt, anderen Spielern, die nicht gespielt haben, eine Chance zu geben“, sagte er. Bei aller Dominanz sieht Löw weiterhin Problemzonen. „Auf der Position des Außenverteidigers haben wir nur Joshua Kimmich, der immer auf ganz hohem Niveau spielt. Im Sturm fällt auch immer mal wieder einer durch Verletzung aus.“ Umso glücklicher dürfte Löw der Auftritt von Wagner gemacht haben. „Das Vertrauen hat mich gefreut und es hat gut geklappt“, sagte der Angreifer von 1899 Hoffenheim, der in Abwesenheit der verletzten Timo Werner und Mario Gomez WM-Pluspunkte sammelte.
Nicht nur personell stehen alle Zeichen auf WM-Planung. Bestätigt wurde, dass das Trainingslager im Mai wieder in Südtirol stattfinden wird, wie schon 1990, 2010 und 2014. Nur mit dem WM-Quartier will sich Löw noch Zeit lassen. Bis nach der Auslosung am 1. Dezember in Moskau will der DFB-Chefcoach abwarten, welche der „zwei bis drei Optionen“ ausgewählt wird. Nach dpa-Informationen steht der „Moscow Country Club“, ein Golf-Hotel im Westen der Hauptstadt, auf der DFB-Liste. Nach den guten Erfahrungen in Sotschi ist aber ein Quartier am Schwarzen Meer die heißeste WM-Option.