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Sport 07.10.2017

Argentinien vor dem WM-Aus

Team um Superstar Messi spielt trotz guter Chancen nur 0:0 gegen Peru

Dem zweimaligen Weltmeister Argentinien droht nach einem 0:0 gegen den direkten Konkurrenten Peru das Verpassen der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

BUENOS AIRES. Lionel Messi faltete die Hände und betete zum Himmel. Aber der Fußballgott hatte kein Erbarmen, der Ball wollte einfach nicht rein. Einmal scheiterte der fünfmalige Weltfußballer am Pfosten (46.), dann vereitelte Perus Torwart Pedro Gallese mit einer Reihe von Glanzparaden das erhoffte Tor der „Gauchos“. Nach dem 0:0 gegen den direkten Konkurrenten in Buenos Aires droht Argentinien bei der WM in Russland die Zuschauerrolle. Denn die „Albiceleste“ wäre als Sechster – Stand jetzt – nicht dabei. Peru, das mit jungen, talentierten Spielern das Überraschungsteam in der WM-Qualifikation ist, hat das bessere Torverhältnis. Die „Inkas“ können sich erstmals seit 35 Jahren wieder für eine WM qualifizieren.
Zu allem Ärger zog auch noch Dauerrivale Chile durch ein 2:1 gegen Ecuador vorbei. „Die Mannschaft ist wütend, aber wenn wir in Ecuador gewinnen, fahren wir zur Weltmeisterschaft“, sagte Nationaltrainer Jorge Sampaoli trotzig. „Wir haben heute einen kämpferischen Messi gesehen, mit einem Gesicht, das Argentinien braucht“, so Sampaoli.
In der Südamerika-Qualifikation kommt es nun am Dienstag zu einem Herzschlagfinale. Brasilien mit Neymar ist schon lange qualifiziert. Die ersten Vier lösen das Ticket, der Fünfte kann dies über den Umweg eines Hin- und Rückspiels gegen Ozeanienvertreter Neuseeland tun. Uruguay (28) ist Zweiter, es folgen Chile (26), Kolumbien (26), Peru (25) und Argentinien (25). Zudem hat Paraguay (24 Punkte) durch ein 2:1 in Kolumbien als Siebtplatzierter auch plötzlich noch WM-Chancen.
Ein ganzes Land hatte dem Spiel entgegengefiebert. Auf Wunsch des neuen Nationaltrainers Sampaoli, im Mai für rund 1,5 Millionen Euro vom FC Sevilla losgeeist, war das Spiel in die berüchtigte „Bombonera“ („Pralinenschachtel“) verlegt worden. Das Stadion der Boca Juniors erzeugt durch seine Enge und die steilen Ränge eine besondere Atmosphäre. Eigentlich sollte das Spiel im weitläufigen River-Plate-Stadion, Spielort des WM-Finales 1978, stattfinden.
Argentinien kann durch einen Sieg in Ecuador noch mindestens Fünfter werden, da Peru und Kolumbien gegeneinander spielen. Zudem hat Chile mit Arturo Vidal vom FC Bayern München in Brasilien eine sehr schwere Aufgabe. Aber Messis Argentinien schießt kaum Tore: ganze 16 in bisher 17 Spielen. Die Bilanz von sechs Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen ist mäßig, es fehlt der Mannschaft in der Breite an Weltklasse – zu wenig Talente schafften zuletzt den Durchbruch.
An der Atmosphäre vor rund 50 000 Zuschauern lag es nicht. Die Fans rollten eine riesige Fahne aus, um Messi zu huldigen, darauf stand: „Hommage an den besten Spieler des Jahrhunderts“. Peru hatte vergeblich gegen die Verlegung in die „Bombonera“ protestiert – die Mannschaft brachte sogar eigenes Wasser mit nach Buenos Aires, weil man den Argentiniern nicht traute. Als Glücksbringer dabei war auch Oswaldo „Cachito“ Ramírez, der 1969 in der „Bombonera“ beim 2:2 in der damaligen WM-Qualifikation beide Treffer für Peru geschossen hatte. Damals verpasste Argentinien erstmals eine WM. Nun könnte sich die Geschichte knapp 50 Jahre später wiederholen.
Rauf und runter wird seit Tagen diskutiert, ob es nicht schlicht zu wenig sei, sich immer nur auf Messi zu verlassen, die letzten drei Spiele mit ihm brachten drei Unentschieden – darunter ebenfalls zu Hause ein peinliches 1:1 gegen den Tabellenletzten Venezuela. Der Psychologe Marcelo Roffé meint: „Wir verlangen Dinge von Messi, die er nicht ist. Er redet mit dem Ball, aber nicht mit dem Mund oder mit Gesten auf dem Platz.“ Man dürfe ihn nicht ständig zum „Retter Argentiniens“ stilisieren. Trotzdem setzt das Land darauf, dass er Argentinien jetzt noch einmal rettet. (dpa)