FlixBus 9€ Aktion
Anzeige FlixBus 9€ Aktion

PZ-Sonderthemen

PZ-Kur 2017

Bildergalerie

Das Wetter heute

Digitales Probeabo

Heimat-Jahrbuch / Heimatkalender

JUPI 2017

Sonderveröffentlichungen B 10

Telefonsuche

Kultur 31.01.2017

Beste Unterhaltung mit der Operettenbühne Wien

Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“ in der voll besetzten Pirmasenser Festhalle aufgeführt

Farbenprächtige und gelungene Choreographie: Das Pirmasenser Publikum war begeistert von der „Csárdásfürstin“. (Foto: Scharf)

Wieder einmal war die Operettenbühne Wien zu Gast in Pirmasens und brachte Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ auf die Bühne der Festhalle. Der Chef des Tourneetheaters Prof. Heinz Hellberg, der für die Regie und die Bühnenfassung verantwortlich zeichnete, war diesmal nicht mit dabei, die musikalische Leitung hatte Laszlo Gyker. Auch Publikumsliebling Susanne Hellberg trat nicht auf, sie hatte die Abendspielleitung inne.
Wie immer hatten die Wiener einfache, aber gelungene Bühnenbilder (Adrian Boboc) mitgebracht. Der Theaterraum im ersten Akt bestand aus abstrakt anmutenden Wänden mit LED-Beleuchtung. Alles war in Rot gehalten, vielleicht als Symbol für die Liebe, vielleicht auch, um ein wenig die Verruchtheit des Varietés anzudeuten. Nach der Pause erschien der prächtige Salon der Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim mit schweren Vorhängen, Marmorsäulen und protzigen Sitzmöbeln. Den dritten Akt hatte man der Einfachheit halber in eben diesem Raum belassen.
Sehr einfallsreich und opulent zeigten sich auch diesmal wieder die Kostüme von Lucya Kerschbaumer. Nur am Anfang verwiesen die Kleider der Titelfigur und der Damen vom Ballett auf das ungarische Ambiente. Später erschien die Varescu in atemberaubenden Abendroben, während die „Mädis“ vom Varieté witzige Babydolls trugen.
Das Orchester unter der Leitung von Laszlo Gyker spielte rasant und mit großer Musizierfreude. Die ungarischen Tänze und Melodien gelangen mitreißend und schmissig, daneben überzeugten aber auch die zarten, traurigen Töne und die hoch emotionalen und mächtig dramatischen Takte.
Wie in früheren Gastspielen trug auch an diesem Abend wieder die Choreographie von Enrico Juriano viel zum Gelingen der Aufführung bei. Da gab es nicht nur die üblichen Can-Can-Figuren, mit viel Schwung und schrillem Gejuchze vorgeführt von den Balletteusen, sondern auch unterhaltsame, ideenreiche Paartänze. Dabei präsentierten sich die Ensemblemitglieder als glänzende Tänzer mit Bewegungs- und Rhythmusgefühl und legten bei den geradezu akrobatischen Einlagen größten Körpereinsatz an den Tag. Witzige Regie-Ideen ergänzten das positive Bild, wie zum Beispiel die Schüttelattacken des Edwin auf seinen Freund Boni, der dabei seinen Kopf beängstigend unkontrolliert fliegen ließ.
Der Akzent, mit dem die meisten Darsteller sprachen, passte gut ins ungarisch-österreichische Ambiente, doch litt darunter hie und da die Textverständlichkeit, auch beim Gesang. Csaba Fazekas als Feri-Bacsi beeindruckte mit der gekonnten ungarischen Aussprache des vollen Namens seiner Figur, und Viktor Schilowsky als Fürst brachte mit seinem Wiener Dialekt den nötigen Wiener Schmäh in die Aufführung.
Die mimische und sängerische Leistung der Akteure war auch diesmal wieder auf hohem Niveau anzusiedeln. David Hojsak als Boni begeisterte mit agilem Spiel und einer ungemein sympathischen Ausstrahlung, seiner schönen Stimme mangelte es jedoch an Durchsetzungsvermögen. Csaba Fazekas legte den Feri-Bacsi als ruhigen, abgeklärten Freund an und erfreute mit schönem, klangvollem Gesang.
Als guter Sänger zeigte sich auch Sandor Domoszlai in der Rolle des Fürstensohnes Edwin. Dabei stellte er den unglücklich Verliebten mit Gefühl und gekonnter Mimik dar. Das Zeug zum Publikumsliebling hat Elisabeth Jahrmann, die die Comtesse Stasi mit jugendlicher Fröhlichkeit, temperamentvoll und kess spielte und dabei mit einer herrlichen Stimme glänzte. Lilla Galambos schließlich erfreute in der Titelrolle als Chansonnette Sylva Varescu, auch sie mit einer schönen Stimme und einem großen Ausdrucksrepertoire.
Die Csárdásfürstin stellte sie als elegante und selbstbewusste Frau dar, konnte aber auch deren innere Zerrissenheit, Verliebtheit und Verzweiflung bestens vermitteln. Besonders schön gelangen die Duette „Machen wir’s den Schwalben nach“ und das gefühlvolle „Weißt du's noch?“. Viktor Schilowsky als Fürst Leopold Maria brachte viel Komik ins Spiel, und Judit Bellai als Fürstin machte die freche ehemalige Provinzprimadonna glaubhaft und legte zum Schluss noch einen veritablen Varieté-Tanz auf die Bretter.
Das Publikum im voll besetzten Saal fühlte sich bestens unterhalten und klatschte begeistert mit, als zum Schluss noch einmal „Ohne Weiber geht die Chose nicht“ gespielt wurde. Schließlich endete der Abend in guter Laune und mit viel Applaus. (bl)