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Film 28.09.2017

Clownhorror in der Kleinstadt

Stephen Kings „Es“ neu verfilmt

Das weit aufgerissene Gebiss aus „Der Weiße Hai“, der Holzschlitten vom Ende von „Citizen Kane“, die Laserschwerter aus „Star Wars“: Filmemachern gelingt ein riesiger Coup, wenn sofort alle Betrachter beim Anblick eines einzelnen Motivs wissen, welcher Film gemeint ist. Aktuell erleben die USA genau einen solchen Hype – und wer einen roten Ballon sieht, der denkt recht zuverlässig an einen gruseligen Clown. Pennywise heißt er und ist die Hauptfigur in Stephen Kings „Es“.
Nach einer TV-Verfilmung vor gut 25 Jahren kommt der Bestseller nun in zwei Teilen in die Kinos und in den Vereinigten Staaten ist der Erfolg des Films immens: „It“, so der Originaltitel, gelang dort der beste Start für einen Horrorfilm aller Zeiten, der bisherige Rekordhalter „Paranormal Activity 3“ kam zum Auftakt nicht einmal auf die Hälfte der rund 123 Millionen Dollar, die „Es“ eingespielt hat. Schon vor Monaten war der erste Trailer im Internet am ersten Tag rund 197 Millionen Mal aufgerufen worden, laut „New York Times“ war das der erfolgreichste Vorschau-Filmclip Hollywoods aller Zeiten. Rund 85 000 Fans hatten sich für Besuchstour und Fotos vor dem Horrorhaus aus dem Film angemeldet, das der Filmverleih Warner in Los Angeles nachbaute.
Viele Vorschusslorbeeren also für die Verfilmung eines 31 Jahre alten und im Original rund 1 100 Seiten langen Buchs. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Teenagern in der Kleinstadt Derry im Bundesstaat Maine der späten 1980er-Jahre. Zu Beginn ermordet der gruselige Clown den sechsjährigen Georgie Denbrough, einige Monate später versucht dann eine Gruppe von Teenagern, angeführt von Georgies Bruder Bill, den Tod und weitere mysteriöse Geschehnisse in Derry aufzuklären. Dabei merken sie schnell, dass sie sich ihren schlimmsten Ängsten stellen müssen, um die Taten des seit Jahrhunderten mordenden Clowns zu verstehen.
Ignorante, behäbige Erwachsene in einer klaustrophobischen Kleinstadt, arrogante Schulhofrüpel und ein halbes Dutzend Teenagerrollen mit den üblichen Charakterzügen vom „dicken Nerd“ bis zum „heißen Mädchen“: Die Liste üblicher Horror-Klischees ist auch in „Es“ lang. Trotzdem funktioniert der Film wegen seiner gelungenen Mischung von Zeitgeist und traditionellen Motiven.
„Es“ knüpft einerseits in Ästhetik und Thematik an Stoffe wie die immens erfolgreiche Netflix-Serie „Stranger Things“ an. Andererseits behandelt der Schocker genug universelle Themen, mit denen viele Zuschauer etwas anfangen können: Einsamkeit, der Kampf gegen Schrecken, die Erwachsene nicht wahrnehmen wollen und die zerstörerische Macht, die Angst über uns bekommt, wenn wir uns ihr nicht stellen. In den USA haben diese Mischung und eine herausragende Mundpropaganda dazu geführt, dass rund die Hälfte aller Zuschauer weiblich ist – ungewöhnlich für einen Horrorfilm.
Trotzdem ist Andrés Muschiettis Stephan-King-Verfilmung nicht perfekt. Mit 135 Minuten gerät „Es“ gerade im Computer-Effekte-überladenen letzten Drittel ein wenig zu lang und nicht alle Gags der sehr solide agierenden Teenagerriege zünden. Nichtsdestotrotz schafft Muschietti mit diesem ersten Kapitel seiner zweiteiligen Buchverfilmung eine der besten King-Adaptionen der vergangenen Jahrzehnte – vor allem deshalb, weil er neben ausgiebigen Schockeffekten auch in den Teilen überzeugt, die vom schwierigen Heranwachsen von Teenagern in der Provinz handeln.