Anzeige FlixBus 9€ Aktion

PZ-Sonderthemen

PZ-Kur 2017

Bildergalerie

Das Wetter heute

Digitales Probeabo

Heimat-Jahrbuch / Heimatkalender

JUPI 2017

Sonderveröffentlichungen B 10

Telefonsuche

Service 07.08.2017

Deutsche nach wie vor nicht im Börsenfieber

Börse Frankfurt auf Twitter

Holger Zschaepitz auf Twitter

Trading View Español auf Twitter

Erneut ist die Zahl der Aktionäre gesunken. Mit der Börse haben die Deutschen ungeachtet der ansehnlichen Renditen scheinbar nichts am Hut. Lieber frönen sie der konservativen Veranlagung und entscheiden sich für Festgeld oder Tagesgeld, selbst wenn damit angesichts der aktuellen Niedrigzinsen wenig zu holen ist.

Zu früh gefreut

Kurz sah es Anfang 2016 danach aus, als hätte die deutsche Wirtschaft allen Grund, die Korken knallen zu lassen. Die Zahl der Aktionäre war 2015 auf 9,01 Millionen Menschen gestiegen. Nicht von ungefähr fühlte sich das Deutsche Aktieninstitut (DAI) veranlasst, von einem wiedergewonnenen Vertrauen der Anleger in die Aktie zu sprechen. Angesichts der 13 Millionen Aktionäre im Jahr 2001 ist ein Börsenengagement von 14 Prozent der Bevölkerung gleichwohl nicht wirklich der Rede wert.

Speziell bei den unter 40-Jährigen erfreute sich das Börsenengagement 2015 großer Beliebtheit. Eine Rendite von 9 Prozent bei einer Laufzeit von 12 bis 15 Jahren ist dabei nicht zu verachten. Es überrascht deshalb wenig, dass Aktien für die Altersvorsorge wie gemacht sind.

Zahlen lügen nicht

Doch direkt ein Jahr später folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. 2016 brach die Zahl der Aktionäre ein und sank auf 8,98 Millionen.

Dabei ist man mit ein paar Mausklicks umgehend als Bulle oder Bär mit von der Partie und hat dank Internet nicht nur die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren, sondern kann den Kauf von Aktien auch direkt online tätigen. Wer ernsthaft vom Börsenmarkt profitieren will, der muss nicht zwangsläufig selbst Aktien kaufen. Eine durchaus lukrative Alternative stellt das Spreadbetting dar, bei dem lediglich ein Betrag x auf das Steigen oder Fallen eines Kurses gesetzt wird, sodass ein Gewinn für Kursveränderungen in beide Richtungen ermöglicht wird. Dieser überaus komfortable Einstieg in die Börsenwelt hinderte die Deutschen jedoch nicht daran, sich von Aktien und sonstigen Anteilsscheinen im Wert von 1 Milliarde Euro allein in den letzten 3 Monaten des Jahres 2016 zu trennen. Dafür flossen im gleichen Atemzug rund 45 Milliarden Euro in Bargeld und Sichteinlagen (Girokonten und Tagesgeldkonten), während die Spareinlagen nahezu unverändert blieben. Und über knapp 20 Milliarden Euro durften sich Versicherungen und Pensionseinrichtungen freuen, die vergleichbar risikolos sind wie Bankeinlagen.

Alles in allem schwammen die Deutschen Ende 2015 in Geld. Die Niedrigzinsen konnten ihnen nichts anhaben. So belief sich das Vermögen der privaten Haushalte auf 5586 Milliarden Euro, was einem historischen Hoch gleichkam. Unweigerlich drängt sich einem da das Bild von der sparsamen schwäbischen Hausfrau auf. Und in der Tat legen die Deutschen im Schnitt auch fast 10 Euro je 100 Euro Verdienst auf die hohe Kante. Nur der Ertrag nimmt sich vergleichsweise bescheiden aus, nachdem Aktieninvestitionen außen vor bleiben. Dafür nutzen die Bundesbürger die Niedrigzinsen zur Anschaffung günstiger Kredite. Die eigenen vier Wände sind gefragt, weshalb die Verbindlichkeit privater Haushalte 2016 um ein Prozent auf 1,645 Billionen Euro anstieg.

Unverständnis für Desinteresse der Deutschen

Schenkt man dem Fondsmanager Jens Ehrhardt Glauben, ist die Börse den Bundesbürgern nicht geheuer. Nur 29 Prozent der Deutschen können dem Aktienhandel etwas Nützliches abgewinnen. Überaus positiv besetzt sind dagegen Begriffe wie Sparbuch, Tagesgeld und Eigenheim.
Wirklich einsichtig sind die Gründe für die Abneigung, die die Bundesbürger gegen die Börse empfinden, nicht. Gewiss haben die Ereignisse der Vergangenheit nicht unbedingt vertrauensfördernd gewirkt. Namentlich der Sturz der Volksaktie Telekom ins Bodenlose hat viele Kleinanleger nachhaltig verschreckt. Ehe die Dotcom-Blase platzte, stand noch alles zum Besten. Am 18. November 1996 stieg das Papier mit 14,57 Euro ein, sprang kurzfristig auf 103,50 Euro, um nun wieder bei 15,67 Euro zu notieren.

Wer faktisch Haus und Hof mit einer Aktie verliert, hat allen Grund, sich vom Aktienmarkt abzuwenden. Weit gefehlt aber zu glauben, dass es Unsummen braucht, um sich ins Spiel einzuklinken. Bereits mit 25 Euro monatlich können breit gestreute Aktienfonds bespart werden. Und Einzelaktien kannten noch nie eine Grenze nach unten. Auch die Möglichkeit, allfällige Verluste zu begrenzen, bleibt bestehen. Wenn 2017 mit Rekorddividenden von 3 Prozent bei DAX-Unternehmen zu rechnen ist, erübrigt sich die Frage, ob ein Börsenengagement Sinn macht. Alles in allem gingen den Deutschen 200 Milliarden Euro in den vergangenen 4 Jahren durch die Lappen, weil sie der Börse fernblieben.