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Film 05.10.2017

Die Geschichte ist auserzählt

„Blade Runner 2049“ beginnt aufregend, endet aber enttäuschend

Für „Blade Runner 2049“, der heute in den deutschen Kinos anläuft, hängt die Messlatte unvorstellbar hoch. Immerhin hat der erste „Blade Runner“ um einen Androidenkiller (Harrison Ford) in der Schaffenskrise stilistisch und erzählerisch Filmgeschichte geschrieben. So optisch und moralisch „noir“ waren Science-Fiction-Filme vor 1982 nicht. Und wenn mit Denis Villeneuve („Arrival“) auch noch die Speerspitze der philosophisch interessierten Science Fiction Regie führt, schießt die Fallhöhe ins Unermessliche. Kann der neue Film überhaupt gewinnen?
Los Angeles im Jahr 2049, 30 Jahre nachdem Blade Runner Deckard mit der Androidin Rachael (Sean Young) durchgebrannt ist: Die Welt ächzt noch mehr. Bevölkerungsdruck, Sprachverwirrung und Unterhaltungselektronik haben sich konsequent fortentwickelt. Die Tücken einer digitalisierten Welt liegen offen zutage. Immer wieder fallen Sätze wie: Das war vor dem Blackout, aus der Zeit haben wir nur lückenhafte Daten – eigentlich hat nur das überlebt, was auf Papier stand.
Replikanten werden jetzt als „biotechnisch hergestellte Menschen“ vorgestellt. Nach den Erfahrungen aus Teil eins sind sie durch künstliche Erinnerungen und verbesserten Gehorsam wirksamer gegen das Meutern gesichert. Replikanten-Hersteller Tyrell ist pleite.
Seine riesige Firmenzentrale dient nur mehr als Vorbbau zum Pharaonengrab-artigen Hauptsitz des blinden Visionärs Wallace (Jared Leto). Der will in kapitalistischem Größenwahn Replikanten schaffen, die sich fortpflanzen. Ein erster natürlich gezeugter Replikant ist bereits 2021 geboren und verschwunden. Wallace schickt seine Allzweck-Replikantin Luv (Sylvia Hoeks) auf die Suche. Die Polizistin Joshi (Robin Wright) schickt dagegen den Blade Runner K, um den Mischling zu töten.
Ryan Gosling spielt K auf seiner Suche – und auf einem erwartbaren, aber überzeugenden Selbstfindungstrip. Gosling ist ja seit „Drive“ bekannt für die Rolle des anständigen, verlässlichen, aber still leidenden Anbieters eher fragwürdiger Dienstleistungen.
Der Film versucht zunächst erfolgreich, optisch und thematisch nicht im Schatten des ikonischen Vorgängers zu bleiben: K fliegt über riesige Solarzellen-Felder (Energiewende) zu einer Eiweißfarm für nahrhafte Maden (Welternährung). Replikanten machen die Drecksjobs und werden von Menschen als „Hautjobs“ geschnitten (Rassismus). Und um die Erschaffung künstlicher Erinnerungen ist ein ganzes Berufsfeld entstanden (Kreativwirtschaft).
Denkwürdig ist die Nebenhandlung um Ks holografische Freundin Joi (Ana de Armas). Im DNA-Archiv philosophiert sie über den Unterschied, aus vier Gen-Bausteinen zu bestehen oder aus zwei digitalen Zuständen. Und sie lässt sich ganz schön was einfallen, um ohne Körper trotzdem Sex mit K zu haben.
Als all diese konsequenten Weiterführungen beeindruckend in Stellung gebracht sind, vergisst der Film sie aber einfach. Stattdessen reiht er im letzten Drittel in viel zu schneller Folge beliebige Twists und pseudo-tiefgründige Dialoge aneinander.
Der gealterte Deckard besäuft sich als Einsiedler mit Hund in einer postapokalyptischen Casinostadt. Und eine aufrührerische Replikantin (Hiam Abbass) mit Privatarmee lässt Ks Selbstfindung wie ein angestochenes Soufflé in sich zusammenfallen.
Ein so wort- wie bedeutungsloser Endkampf und eine wirklich belanglose Familienzusammenführung runden einen eigentlich aufregend begonnenen Film ab. Der Gedanke eines neuen „Blade Runner“ erschien vielversprechend. Doch hier scheint es, als sei die Geschichte längst auserzählt – nur mehr Posthistorie.
Blade-Runner- und Harrison-Ford-Fans seien also gewarnt: Dieser zweite „Blade Runner“ sieht zwar toll aus, er ist angemessen aufwendig produziert und gut gespielt. Aber er hätte ein Drehbuch gebraucht, das auch einlöst, was es selber verspricht. Zumal Macher und Crew ja bei jeder Gelegenheit betonen, dass sie alle „Blade Runner“-Fans sind. Vielleicht fehlte ihnen am Ende aber der ausreichend kritische Blick fürs wirklich Großartige.