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Politik 04.10.2017

Ermittler rätseln über Motiv für Massaker von Las Vegas

Todesschütze passt in kein gängiges Täterprofil – Verbrechen exakt geplant

Nach dem tödlichen Massaker von Las Vegas stellt sich weiter die eine Frage: Was hat einen 64 Jahre alten Mann – wohlhabend und angesehen – angetrieben, was hat ihn zum Mörder von mindestens 59 Menschen gemacht? Auch am zweiten Tag nach der Tat war das Motiv noch völlig unklar.

Fest scheint zu stehen: Stephen Paddock war nicht Anhänger einer Terrororganisation, er war auch kein politischer oder religiöser Fanatiker. Mit seinem Alter, seinem beruflichen Werdegang, seiner Lebensführung passt er in keines der gängigen Täterprofile der Ermittler.
Immer klarer wird mit jeder Stunde Ermittlungsarbeit der Polizei, wie exakt der Mann sein Verbrechen geplant hat, der mit Immobilien ein Millionenvermögen gemacht und dies in den Casinos von Las Vegas immer wieder aufs Spiel gesetzt hatte. Die Polizei geht davon aus, dass er die 23 Schusswaffen, die in seinem Hotelzimmer im 32. Stock des Mandalay Bay Hotels gefunden worden waren, über Tage in zehn Koffern in das riesige Gebäude geschmuggelt hat. Das Zimmer hat er nach Auffassung von Experten sehr genau ausgesucht – von einem erhöhten Standpunkt aus, mit Hilfe von Podesten für seine Gewehre, konnte er so die Menge treffen. Er schlug zwei Fenster ein, um die Schüsse von verschiedenen Winkeln aus abfeuern und so noch mehr Tod bringen zu können. Die Waffen, vermutlich als halbautomatische Gewehre gekauft, soll er zu automatischen Waffen umgebaut haben, so konnte er Dauerfeuer geben. Neben den 23 in seinem Hotelzimmer gefundenen Waffen stellte die Polizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung weitere 19 sicher. Auch wurden Chemikalien gefunden, die als Sprengstoff verwendet werden können.
Auf der Straßenseite gegenüber dem Hotel hatten sich am Sonntagabend (Ortszeit) etwa 22 000 Menschen für ein Country-Music-Festival versammelt. Während eines Auftritts von Jason Aldean eröffnete der Schütze das Feuer auf die Menschenmenge. US-Präsident Donald Trump bezeichnete es gestern als „ein Wunder“, dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden kamen. Es sei vor allem Glück gewesen, dass die Polizei vergleichsweise schnell das Zimmer Paddocks orten konnte.
Paddock hat ein vergleichsweise unauffälliges Leben geführt. Der frühere Buchhalter wohnte in einer Art Ruheständler-Siedlung im Städtchen Mestique, 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas. „Er war ein sanfter Riese“, sagte ein früherer Nachbar. „Sehr groß und sehr freundlich.“ Einzige Auffälligkeit: Er sei gern und häufig dem Glücksspiel nachgegangen. „Er hat höher gespielt als der Durchschnitt“, sagte Paddocks Bruder Eric in US-Medien über die Spielleidenschaft des Täters. Er habe aber auch viel mehr Geld gehabt als der Durchschnitt. „Er war ein wohlhabender Kerl, er ging auf Kreuzfahrten“, sagte er. „Er konnte sich leisten, was er wollte.“ Laut seinem Bruder war er geschieden und hatte keine Kinder.
Rettungskräfte und Mediziner waren auch gestern noch damit beschäftigt, die Betroffenen des Massakers zu versorgen. Insgesamt 527 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt befindet sich auch ein deutscher Staatsangehöriger in medizinischer Behandlung. Dem Außenministerium zufolge gibt es bisher keine Hinweise, dass Deutsche unter den Todesopfern waren.
Die Polizei drang nach minutenlangem Kugelhagel in das Hotelzimmer ein. Wie Bezirks-Sheriff Joseph Lombardo sagte, schoss der Angreifer durch die Tür auf die Beamten. Als die Polizei sich den Weg ins Zimmer freigesprengt hatte, war der Mann tot – nach Lage der Dinge hat er sich selbst erschossen. (dpa)