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Film 21.09.2017

Familiendrama mit prominenter Besetzung

„Schloss aus Glas“ mit Brie Larson, Woody Harrelson und Naomi Watts

Diese Frau passt nicht in diese Umgebung: Jeanette Walls, um die dreißig Jahre alt und Journalistin in New York, sitzt mit ihrem Verlobten und dessen Geschäftspartner im Edelrestaurant. Der Abend schleppt sich mit bemühtem Small Talk dahin und am Ende sagt Walls dem Kellner, dass sie nicht nur die Reste auf ihrem eigenen Teller gerne mit nach Hause nehmen möchte – er solle doch auch bitte gleich die der gesamten Tischgesellschaft mit einpacken. „Ist nur Spaß“, sagt da ihr indignierter Partner in Richtung seiner Arbeitsbekanntschaften. „Nein, ist es nicht“, entgegnet Walls und in ihrem Blick liegt, wie schwierig es werden wird mit ihr und diesem Mann, sollte er ihren grundsätzlichen Charakter weiter so falsch verstehen. Es ist eine vielsagende Szene, die schon zu Beginn den Ton für die folgenden zwei Stunden Familienbiografie setzt.
In Rückblenden erzählt „Schloss aus Glas“ das Leben von Walls nach: Ein alkoholkranker Vater und eine Mutter, die sich mehr für ihre Gemälde als für ihre Kinder interessiert, schleppen über Jahre sich und vier Kinder durch die USA. Sie sehen sich als Freigeister und wollen den Sprösslingen lieber in selbst gewählten Projekten als in staatlichen Schulen das Leben nahe bringen – ihnen fehlt aber das Gespür dafür, ob dabei auch Bedürfnisse nach Struktur und Anleitung auf der Strecke bleiben. Als Erwachsene muss sich Jeanette schließlich entscheiden, ob sie mit ihren Eltern Frieden schließt oder nicht.
Für Regisseur und Drehbuchautor Destin Daniel Cretton ist das der bisher größte Film, den er umgesetzt hat. Bisher baute er sich mit Indie-Perlen wie „I am not a Hipster“ und „Short Term 12“ einen exzellenten Ruf auf, hier aber wuchs das Budget spürbar, mit Woody Harrelson als Vater, Naomi Watts als Mutter und Brie Larson als erwachsene Jeanette ist der Film zudem exzellent besetzt. Sie zusammen setzen zudem eine Geschichte um, die als Buch seit über einem Jahrzehnt in den Vereinigten Staaten ein Bestseller ist und die sich auch in Deutschland nach einer Empfehlung in Elke Heidenreichs „Lesen“ seinerzeit zu einem großen Erfolg entwickelte.
Doch leider ist aus dieser Mischung zwar ein ausreichend unterhaltsamer, aber leider weder ein berührender noch ein besonders nuancierter Film geworden. Nie wird das deutlicher als in der überladenen Titel-Metapher: Immer wieder plant der Vater mit seinen Kindern das „Schloss aus Glas“, einen fantastischen Ort, an dem die Familie eines Tages leben soll. An einer Stelle beginnen sie sogar, ein Fundament auszuheben, doch es wird schließlich mit Müll zugeschüttet, das Schloss wird nie gebaut. Jedem mittelmäßig aufmerksamen Zuschauer ist klar, dass auch die Beziehungen der Walls’ untereinander genauso funktionieren.
Weil „Schloss aus Glas“ aber dennoch seine hübsch gespielten Momente hat und Schauspieler zeigt, die einfach jeden Stoff verbessern, beschreibt dieses Holzhammer-Bild aber nicht nur das Familienleben der Walls, sondern letztlich den gesamten Film. Es geht um Versprechen, die nie eingelöst werden und warum das dann vielleicht enttäuschend, aber eben doch manchmal in Ordnung ist.