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Frühstück mit Europa im Gepäck

EU-Abgeordneter Michael Detjen stellt sich im Pirmasenser Brauhaus vor

EU-Parlamentarier Michael Detjen (stehend) hat in Kuchems Brauhaus über Europa gesprochen: Der Sozialdemokrat hatte zum „Europafrühstück“ eingeladen. (Foto: Betz)

Seit 43 Tagen ist Michael Detjen für die SPD im Europaparlament, als Nachrücker für Jutta Steinruck, die nun Oberbürgermeisterin in Ludwigshafen ist. Am Samstag hat er sich bei einem „Europafrühstück“ in Pirmasens mit rund 20 Bürgern über Europa unterhalten. Es soll eine Auftaktveranstaltung gewesen sein, denn Detjen will in der Pfalz viel Präsenz zeigen.

Inhaltlich war es ein wilder Ritt: Datenschutz, Recycling, EU-Verteidigung, Sommerzeit und immer wieder ein von Detjen geforderter Länderfinanzausgleich auf EU-Ebene. Der neue Mann aus Brüssel und Straßburg zeigte klare Kante und wofür er steht. Der Länderfinanzausgleich für Europa solle seiner Meinung nach funktionieren, wie der zwischen den Bundesländern in Deutschland, er soll eine Solidargemeinschaft sein. „Es funktioniert einfach nicht, indem sich würdige Länder zu Tode sparen“, forderte Detjen damit einhergehend ein Ende des Sparzwangs in Südeuropa, der aus seiner Sicht nicht viel bringe.
Detjen stellte auch fest, dass Nachhaltigkeit und dem Umgang mit Ressourcen in der EU mehr Bedeutung zukommen sollte. „Wir müssen Mehrweg zum Thema in Europa machen“, so Detjen. Da sei aber auch in Deutschland noch viel Spielraum, denn „der Begriff Nachhaltigkeit kommt im Koalitionsvertrag nicht vor.“
Ein Problem, dass es sowohl im EU-Parlament als auch in Deutschland gebe, seien die Nationalisten. „Ich sitze neben einem sehr netten Kollegen aus Frankreich. Wir halten uns da gegenseitig am Arm, sonst müsste man da manchmal aufspringen und schreien, wenn die Nationalisten sprechen“, machte Detjen aus seinen Gefühlen kein Geheimnis.
Detjen erklärte auch, dass es von der EU spezielle Programme zur Bekämpfung der Kinderarmut gebe. Das sei für die Region wichtig, denn in Pirmasens sei die Kinderarmut nun einmal hoch, auch wenn sie in Ludwigshafen noch höher sei. Doch hier gelte es weiter zu arbeiten und nicht locker zu lassen. „Wenn wir darüber reden, dass Kinder unsere Zukunft sind, dann reicht es nicht, immer nur zu sparen“, warb Detjen für Investitionen in diesem Bereich.
Die viel diskutierte Europa-Armee, also eine gemeinsame Verteidigung, hält Detjen ebenso für sinnvoll. Allerdings „muss diese Armee dann eine Parlamentsarmee sein, die auf demokratischen Füßen steht. Das darf nicht sein, dass da dann irgendein General entscheidet, was die Soldaten zu tun haben.“
Die EU ist in Teilen der Bevölkerung dafür verschrien, vermeintlich unwichtige Themen größer zu machen als sie sind -– Stichwort: Gurken – und sich darüber lange und ausgiebig zu streiten. Eines dieser Themen scheint die Sommerzeit beziehungsweise deren Abschaffung zu sein. Detjen erklärte, warum er klar für die Abschaffung ist: „Es ist einfach ungesund. Es wirkt sich negativ auf die Menschen aus, zweimal im Jahr aus ihrem Biorhythmus gerissen zu werden. Das ist in mehreren Studien belegt. Sogar die Nutztiere kämpfen mit der Zeitumstellung und haben dadurch Stress“, so Detjen. Daher solle man die Sommerzeit abschaffen, da ihr erklärtes Ziel – Einsparen von Energieträgern – klar verfehlt wurde. Wie emotional dieses Thema ist, zeigte sich an den Tischen der Zuhörer. Einige stimmten Detjen zu, andere meinten, ihnen würden die langen Tage im Sommer gut gefallen und sie möchten diese nicht mehr missen.
Detjen beantwortete auch Fragen der Zuhörer und machte dabei auch seine Standpunkte deutlich. Er steht für Verbraucherschutz, Datenschutz und die Rechte von Menschen und die Arbeitnehmerrechte ein, das wurde klar. Detjen sagte aber auch ganz ehrlich: „Wir haben in Europa als Sozialdemokraten keine Mehrheit. Außerdem kann das EU-Parlament keine eigenen Anträge einbringen, ist damit kein so starkes Parlament.“
Dennoch warb er für Europa. „Wir sind als 80 Millionen Deutsche nicht in der Lage, es wirtschaftlich mit China, Russland, Indien oder den USA aufzunehmen. Wir brauchen ein vereintes Europa, das brauchen alle Mitgliedsstaaten, auch wenn die Engländer meinen, es geht auch so. Nur als Gemeinschaft können wir da mithalten.“ Und die lange Zeit des inneren Friedens, die Zeit ohne Krieg spreche ebenfalls für Europa. (dab)