FlixBus 9€ Aktion
Anzeige FlixBus 9€ Aktion

PZ-Sonderthemen

PZ-Kur 2017

Bildergalerie

Das Wetter heute

Digitales Probeabo

Heimat-Jahrbuch / Heimatkalender

JUPI 2017

Sonderveröffentlichungen B 10

Telefonsuche

Kultur 14.04.2014

Gelungene Aufführung einer anspruchsvollen Oper

Olga Jelinkovà begeisterte in der Titelrolle „Lucia di Lammermoor“

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln wurde die Oper „Lucia di Lammermoor“ in der Festhalle aufgeführt. (Foto: Scharf)

Das Kulturamt Pirmasens hatte für die Aufführung von Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“ anstelle der bereits bekannten Tournee-Ensembles die Tschechische Oper Prag zusammen mit dem Mährischen Opernhaus Olmütz engagiert. Ein Glücksgriff, denn sowohl Chor und Orchester, als auch die Solisten boten unter der musikalischen Leitung von Miloslav Oswald und in der Inszenierung von Martin Otava eine gelungene Version des anspruchsvollen Bühnenwerks. Schade, dass die Veranstaltung ausgesprochen schlecht besucht war.
Eine weitere Neuerung waren die Übertitel in deutscher Sprache, die diesmal nicht rechts und links der Bühne an die Wand projiziert wurden, sondern in der Mitte über der Bühne auf einem Bildschirm aufleuchteten, eine durchaus praktikable Lösung. Das Bühnenbild von Ján Zavarský zeigte passend zum unheilvollen Geschehen ein düsteres gotisches Gemäuer, vor dessen Hintergrund sowohl die Szenen im Gebäudeinneren als auch die unter freiem Himmel spielten.
Leider war diesem Konzept die 1. Szene des 3. Aktes zum Opfer gefallen, wo sich die Erzfeinde Enrico und Edgardo auf dessen verfallenem Wohnsitz treffen und ein Duell vereinbaren sollten. Dies hätte einen Bühnenumbau erforderlich gemacht. Etwas ratlos ließen den Zuschauer die Kostüme von Aleš Valášek zurück, die keineswegs das ausgehende 16. Jahrhundert als Zeit der Handlung widerspiegelten. Vielmehr trug der gesamte Chor, der eigentlich Jäger, Hofleute, Dienerschaft oder Volk darstellen sollte, ausnahmslos zeitlich nicht einzuordnende Uniformen, auch die Damen, deren aufgemalte Bärtchen ein wenig seltsam wirkten. Dies gilt auch für die karierten Hosen von Enrico, die zur Kennzeichnung Schottlands als Ort der Handlung nicht nötig gewesen wären.
Die musikalische Ausführung darf dafür als umso erfreulicher bezeichnet werden. Miloslav Oswald ließ das Orchester die romantischen Szenen wunderschön ausgestalten, so zum Beispiel die Vorbereitung des ersten Auftritts der Lucia mit Harfenklängen und die einfühlsame Begleitung lyrischer Arien. Besonders hervorgehoben werden sollen hier die Hörner, die in diesem Werk eine große Rolle spielen, und das brillante Flötenspiel bei der berühmten Wahnsinnsarie. Eindrucksvoll gelangen aber auch die dramatischen und emotionsgeladenen Abschnitte, die das Orchester mit viel Fortissimo eindringlich zur Geltung brachte. Möglich war dies, weil sich die Sängerinnen und Sänger als versierte Opernsolisten mühelos durchzusetzen wussten. So auch der Chor, der sehr überzeugend auftrat und stets differenzierten Gesang bot. Besonders eindrucksvoll zeigte sich dies im mächtigen Ensemble im 2. Akt, bei dem der Chor und sechs Solisten zusammenwirken.
Jiri Pribyl als Raimondo, Lucias Erzieher und Geistlicher (auch er trug sein Kreuz seltsamerweise über einer Art Uniform) wirkte für die Rolle zwar zu jung, strahlte aber durchaus Ruhe und Weisheit aus und ließ einen vollen, runden Bass hören. Filip Tuma zeigte sich als Enrico Ashton stimmgewaltig, was glänzend zu seiner Rolle als autoritärer und rachsüchtiger Bruder der Lucia passte. Gleichzeitig blieb sein Gesang ganz im Sinne des Belcanto stets schön und ausgeglichen, was besonders den Duetten zugutekam.
Die Rolle seines Erzfeindes Edgardo von Ravenswood, den Lucia liebt, hatte Ondrej Koplik übernommen. Auch er glänzte mit einem durchsetzungsfähigen dramatischen Tenor, konnte aber auch zarte Liebe und Hoffnungslosigkeit bestens vermitteln, so etwa im Liebesduett zum Ende des 1. Aktes und zum Schluss, wo er in seiner Arie Todessehnsucht ausdrückt.
Für Begeisterung sorgte Olga Jelinkovà in der Titelrolle. Ihr Sopran wirkte schlank, fein und biegsam, aber niemals zu schwach, dazu erfreute sie mit größtem technischen Können, das ihr eine ungemein leichte und saubere Ausführung der schwierigen Koloraturen erlaubte. So wurde in ihrer Interpretation die berühmte Wahnsinnsarie zu einem Meisterstück, wobei sie auch die geistige Verwirrung so überzeugend vermittelte, dass es im Saal totenstill wurde.
In den Nebenrollen bot Petr Martinek als Normanno eine erfreuliche Leistung, während Ondrej Doležal als Arturo stellenweise ein wenig angestrengt wirkte. Barbora Polášková überraschte als Zofe Alisa mit einem kräftigen, runden Mezzosopran, mit dem ihr zweifellos auch große Rollen zuzutrauen sind.
Der herzliche Schlussapplaus machte mehrere Vorhänge erforderlich, den meisten Beifall erntete Olga Jelinková. (bl)