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Sport 06.10.2017

Heynckes vor Bayern-Comeback

Ex-Erfolgscoach soll bis Saisonende kommen – Nur noch Details offen

Altmeister Jupp Heynckes soll die Herbst-Depression des FC Bayern beseitigen. Der Rekordmeister hofft für die Trendwende in Liga und Champions League auf den Triple-Macher von 2013.

MüNCHEN. Mit einem kühnen Comeback-Plan um den gefeierten Triple-Trainer Jupp Heynckes hofft der FC Bayern, sein schwächelndes Star-Ensemble wieder titelfähig zu kriegen. Die kurz vor dem Abschluss stehende und wohl befristete Rückholaktion des 72 Jahre alten Fußball-Rentners soll den Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zudem die nötige Zeit verschaffen, die Nachfolge des vor einer Woche gefeuerten Carlo Ancelotti in Ruhe zu regeln. Nur noch Detailfragen sind zu klären, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur gestern aus verlässlicher Quelle.
Noch vor dem Wochenende könnte der Überraschungsdeal fix gemacht werden. Die offizielle Bestätigung des Vereins fehlt noch. Der für die Trendwende Auserkorene gab sich noch zurückhaltend. „Es ist noch nichts klar oder in trockenen Tüchern“, sagte Heynckes gestern der „Rheinischen Post“. Dabei bestätigte er aber, dass die Vereinsführung ihm einen Vertrag bis Sommer 2018 angeboten habe. Vor einer insgesamt vierten Zusage in München wollte er „das Ganze zunächst mal analysieren“. Seit seinem Weggang 2013 als Triple-Macher in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League seien schließlich viereinhalb Jahre vergangen, „und der Fußball hat sich weiter verändert“. Er selbst sei aber „topfit“.
Eine Reaktivierung des Routiniers soll für die Bayern um Heynckes-Freund Hoeneß, der als Präsident und Aufsichtsratschef wieder auffallend intensiv in das Tagesgeschäft eingreift, viele Vorteile haben: Vor allem könnten die Bosse ohne Zeitdruck bis zur nächsten Saison einen Chefcoach für die Zukunft suchen. In den kommenden Monaten könnten auch wieder einige namhafte Trainer auf den Markt kommen.
Der öffentlich heiß gehandelte Hoffenheimer Julian Nagelsmann muss 2018 keineswegs automatisch in München landen. Wie vom FC Bayern zu hören war, ist der Heynckes-Deal keine vorbereitende Maßnahme, die automatisch zu einer Verpflichtung des großen Trainertalents führen soll. Auch soll es keine Absprachen auf Chefebene zwischen Bayern-Präsident Hoeneß und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp geben.
Andererseits wird Heynckes als Bayern-Kenner auch kurzfristig zugetraut, die verunsicherte und durch Missstimmung geschwächte Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. In der Bundesliga hat der Titelverteidiger fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund. In der Champions League setzte es ein 0:3 bei Paris St. Germain. Nach der Schlappe musste Ancelotti in der vergangenen Woche gehen, auch weil sich etliche Spieler wie die erfahrenen Arjen Robben und Franck Ribéry bei den Bossen massiv beschwert haben sollen.
Heynckes kennt einige Profis noch aus seiner Zeit an der Säbener Straße 2013, darunter neben Robben und Ribéry auch Thomas Müller, Jérome Boateng und Manuel Neuer. Arturo Vidal hatte der Coach zuvor lange in Leverkusen trainiert.
Eine Wahl pro Heynckes ist als Signal in Richtung Altbewährtes zu deuten. Heynckes trainierte die Münchner bereits dreimal, kennt Verein, Bosse und die Mentalität. In der jüngeren Vergangenheit saß er sowohl bei der größten Niederlage im „Finale dahoam“ 2012 als auch dem Champions-League-Triumph ein Jahr später im Wembley-Stadion gegen Dortmund auf der Bank. (dpa)