Anzeige FlixBus 9€ Aktion

PZ-Sonderthemen

PZ-Kur 2018

Bildergalerie

Das Wetter heute

Digitales Probeabo

Heimat-Jahrbuch / Heimatkalender

Sonderveröffentlichungen B 10

Telefonsuche

Landkreis Südwestpfalz 22.04.2015

Kleingartenverein übers Ohr gehauen?

Ehepaar aus dem Landkreis vor Gericht

Die Zuschauerplätze im Verhandlungssaal 148 im Amtsgericht Pirmasens reichten gestern beinahe nicht aus. Vor Einzelrichterin Kathrin Schmitt musste sich ein Ehepaar aus dem Landkreis wegen Untreue strafrechtlich verantworten.

SüDWESTPFALZ. Grund für den großen Andrang im Sitzungssaal war das große Interesse von Mitgliedern des Kleingärtnervereins West in Frankfurt, bei denen das angeklagte Ehepaar von 1997 bis 2012 Mitglied war: die Ehefrau als Kassiererin und der Ehemann als stellvertretender Vorsitzender des Kleingartenvereins. Bei den Vorstandswahlen 2012 wurde die Kassiererin nicht mehr wiedergewählt, weil die Mitglieder den Verdacht hatten, dass die Führung der Kassengeschäfte nicht korrekt war. Das Klima wurde zusehends schlechter, die Angeklagte fühlte sich über das Internet gemobbt und lieferte anschließend 47 Ordner, in denen die Unterlagen ihrer Kassenführung abgelegt waren, auf der Geschäftsstelle ab.
Die neu gewählte Vereinsführung beauftragte einen kleinen Personenkreis, einen Blick in die Kassenunterlagen zu werfen. Die intern beauftragten Prüfer stellten fest, dass die Kassiererin in 66 Fällen zwischen den Jahren 2009 bis 2012, davon 33 gemeinschaftlich mit ihrem Ehemann, Überweisungen, Abbuchungen und Abhebungen an Geldautomaten vornahm, für die es eigentlich keinen Grund gab. So sollen vom Konto des Kleingartenvereins in der fraglichen Zeit Überweisungen unter anderem an ein Möbelgeschäft, ein Autohaus in Bensheim, zur Begleichung von Benzinrechnungen, Rechtsanwaltskosten, Tierarztkosten und Überweisungen an die Kreisverwaltung Kaiserslautern und auch Lastschrifteinzüge sowie Direktüberweisungen geleistet worden sein.
Die Angeklagte bestritt dies vehement und sagte, dass die von ihr vom Vereinskonto veranlassten Geldzahlungen mit Genehmigung des Vereinsvorsitzenden vorgenommen wurden. Sie warf gestern der neuen Vorstandschaft vor, sie im Internet „gemobbt“ zu haben. Sie habe in den letzten drei Jahren eine schlimme Zeit durchgestanden. „Drei Leute aus dem Verein haben mit ihrer Kritik an mir das totale Chaos reingebracht. Ihre Vorwürfe gipfelten darin, dass sie uns in den Schaukästen auf dem Kleingartengelände als Bluthunde beschrieben haben. Dabei waren alle finanziellen Transaktionen mit dem Vereinsvorsitzenden abgestimmt,“ erklärte sie gestern vor Gericht. Jeder Bankauszug und jede Rechnung oder Zahlungsbeleg sei vom Vorsitzenden „abgezeichnet worden“ .
Darauf reagierten einige Besucher mit humorvollen Bemerkungen, gegen die der Verteidiger der Angeklagten sich bei der Richterin beschwerte. Sie forderte daraufhin die Besucher auf, „sich ruhig zu verhalten, sonst müssen sie die Verhandlungssaal verlassen.“
Zwischenzeitlich hatten sich die Reihen im Zuschauerraum schon etwas gelichtet, als sich abzeichnete, dass einige der Schaulustigen auch als Zeugen in den weiteren Verhandlungen in Betracht kommen könnten.
Kein Verständnis hatte der angeklagte Ehemann, dass er in dieser Angelegenheit vor Gericht stehe, „denn ich hatte nie etwas mit den Kassengeschäften zu tun.“
Von den Zeugen wollte die Richterin wissen, wie die von der Angeklagten geschilderte ordentliche Übergabe der 47 Ordner auf der Geschäftsstelle stattfand. Von einer ordentlichen Übergabe könne überhaupt keine Rede sein, sagten übereinstimmend alle gehörten Zeugen. Sehr genau habe man den Inhalt der Unterlagen auf Vollständigkeit oder Beschlüsse der Vorstandschaft geprüft und dabei auf den 66 darin enthaltenen Rechnungen keine Sichtvermerke des Vorsitzenden zur Zahlungsberechtigung, wie die Angeklagte ausgeführt hatte, gefunden.
Die Verhandlung wird am 7. Mai, 14 Uhr, vor dem Amtsgericht mit der Vernehmung des Vereinsvorsitzenden fortgesetzt, der am Rande der Verhandlung durchblicken ließ, dass er die Sichtvermerke nie gemacht habe. Auch habe man vor dem Landgericht bereits einen Vergleich erkämpft, laut dem die Angeklagten 19 000 Euro an den Kleingartenverein leisten müssen. (hh)