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Kultur 23.02.2015

Komisch, seltsam, frech und poetisch anrührend

Die Chansonette Anna Piechotta bescherte ihrem Publikum ein Wechselbad der Gefühle

Schön, klug, musikalisch außergewöhnlich und auch etwas boshaft: auf das musikkabarettistische Programm von Anna Piechotta musste man sich einlassen können. (Foto: Fuhser)

Ausstrahlung hat sie wirklich, die Chansonsängerin Anna Piechotta. Kaum hatte sie am weißen Flügel im Pirmasenser Kulturcafé „Pünktchen und Anton“ Platz genommen, herrschte gespannte Stille – so als beginne eine berühmte Klavierspielerin nun gleich mit ihrem hochgelobten klassischen Programm. Doch ist diese „Ernsthaftigkeit“ nur Teil des Programms, denn Piechotta ist eher Chanteuse als Chansonsängerin und Musikkabarettistin als mit der klassischen Klavierliteratur verheiratet. Man muss sich auf ihr Programm einlassen können. Nicht umsonst trägt es den Titel „Komisch, im Sinne von seltsam“. Doch dann kann man, wie im „Pünktchen und Anton“, einen witzigen, anregenden und komischen Abend wie selten erleben.
Schon sehr schöne Programme von den sogenannten Kleinkunstbühnen der Republik konnte man im Lauf der Zeit im kleinen Kulturcafé in der Winzler Straße erleben. Doch Anna Piechottas Auftritte, sie war zum zweiten Mal in Pirmasens, gehören zu den Besten. Was auch an der Dreifachbegabung der Künstlerin liegt.
Sie ist ausgebildete Sängerin und kann mit ihrer Stimme vieles anstellen. Und wenn sie sich gesanglich über eine Don-Giovanni-Arie lustig macht, hat man schon den Eindruck, sie könnte diese auch ganz klassisch mit Bravour singen. Sie spielt begnadet Klavier. Um ihrem Witz beim Spiel, ihre Zitate aus Klassik, Pop und Jazz, ihre Anspielungen, die sie aus den Tasten des Klaviers holt, so richtig folgen zu können, müsste man das Programm schon mehrfach hören.
Sie schreibt sehr schöne Texte, die schon in einem Lied Befindlichkeiten unseres modernen Lebens verdichten, das Scheitern bei der Partnersuche mit Hilfe von Computerprogrammen und sozialen Netzwerken, die Unmöglichkeiten des Zusammenlebens, alles meist präzise und auch mal mit bösem Witz und einer Portion Gemeinheit auf den Punkt gebracht.
Piechotta spannt den Bogen ihres Programms sehr weit, bis an die Grenzen dessen, was sinnvoll ist an einem einzigen Abend. Doch es funktioniert bei ihr. Sie erzählte die bösartige Geschichte von Miriam, die unter ihren Liebhabern einen passenden Mann für ihr Kind sucht, am Ende zwar keinen findet, aber durch etwas Erpressung der Aufzucht ihres Kindes wohlversorgt entgegenblicken kann, sang unter anderem ein garstiges mit Monstern vollgepacktes Schlaflied für Kinder mit bösem Witz, das genervte Eltern bestimmt einmal gerne aus Rache an ihren Plagen singen würden, und auch anrührende poetische Lieder, über den eigenen Schatten oder eine Miniatur über das Verdämmern in der Demenz. Letztere unmittelbar ins komische, seltsame Programm gesetzt, ein kleines Wechselbad der Gefühle für das Publikum.
Und die Komik schlägt auch mal ins durchgeknallt Groteske um, wenn die Künstlerin Vladimir Putins Klagelied über sein Lieblingsfrettchen, das in der Brokkoli-Suppe umkam, aus dem (Dada-artigen Pseudo-) Russischen ins Deutsch übersetzt.
Gefeilt hat Piechotta an ihrem Dialog mit dem Publikum, der nun sicherer ablief. Und so konnte die in Cochem geborene und in der Eifel lebende Künstlerin sich auch einige direkte „Gemeinheiten“, kleine Publikumsbeschimpfungen, erlauben und trotzdem viel Applaus ernten.
Solche Kleinkunstperlen sind selten in Pirmasens zu erleben. Es ist zu hoffen, dass es das „Pünktchen und Anton“ noch weiterhin schafft, Veranstaltungen in dieser Qualität nach Pirmasens zu bringen. (mfu)