Anzeige FlixBus 9€ Aktion

PZ-Sonderthemen

PZ-Kur 2018

Bildergalerie

Das Wetter heute

Digitales Probeabo

Heimat-Jahrbuch / Heimatkalender

Sonderveröffentlichungen B 10

Telefonsuche

Kultur 24.11.2014

Mittendrin im Publikum

Kabarettabend mit Gerd Kannegieser beim TV Lemberg

Gerd Kannegieser ist der Stammtischkumpel von nebenan - und mit seinem Programm zum 25. Bühnenjubiläum überzeugte er auch in der Turnhalle des TV Lemberg. (Foto: D. Müller)

Bei manchen Veranstaltungen weiß man als Verein schon im Planungsstadium, dass es ein in künstlerischer Hinsicht erfolgreicher Abend werden wird. So wird es auch den Verantwortlichen beim TV Lemberg gegangen sein, als sie den Kult-Pfälzer Gerd Kannegieser für sein Gastspiel in der Turnhalle gebucht haben. Gut 100 Besucher folgten der Einladung am Freitagabend und erlebten einen höchst amüsanten Abend mit dem Kabarettisten aus dem Kuseler Bergland, dem man den einfach gestrickten Kumpel von nebenan einfach abnimmt.
Für sein Jubiläumsprogramm nach 25 Bühnenjahren habe er sich wo Hilfe gesucht? Richtig: am Stammtisch. Dort, wo so viele seiner imaginären Kollegen Platz nehmen, deren unterschiedlichste Marotten und Eigenarten er in seinen Programmen seit so vielen Jahren immer wieder zum Thema macht. Und zum Jubiläum lässt er sie alle noch einmal in geballter Form zu Wort kommen.
Der Bühnenvorhang blieb während des gesamten Auftritts geschlossen. Denn der Kabarettist stand zwischen den kreisförmig um ihn herum in der Halle platzierten Gästen, mittendrin und nahe dran, auf du und du mit den Gästen, denen er seine Geschichten erzählte.
Kannegieser steht verdutzt vor der Telefonzelle, „do steht de Rinow Walder schun e halb Stunn drin“, gesenktes Haupt, Telefonhörer am Ohr, der Blick geht ins Leere, er sagt kein Wort. Also fragt Kannegieser den vorbei laufenden Köhler Hermann, was da wohl los ist, schließlich mache man sich ja Gedanken um seine Stammtischkumpel. „ Ei der sprecht mit seine Fra, de Helga, des siehsche doch“. „Do kummt selbscht e Zeuge Jehovas fünf Stunn näd zu Wort bei dere“, schiebt Kannegieser nach.
Wie gewohnt furztrocken und in seiner naiven Stammtischverbohrtheit abgetaucht auch seine Ausführung zu dem Laden in Lautern, der echt unnützes Zeug verkaufe. Er frage sich, was das soll? Biberbettwäsche für Gebissträger? Eine Badekappe für Linkshänder? Er grinst schelmisch, als er seine Gäste fragt, was es wohl mit Socken für Katholiken auf sich haben könnte? Kopfschütteln. „Ei, die sinn ohne Gummi“.
Kannegieser dringt auch mit einfachem Witz zu den Gästen durch. Da zählen nicht nur die Pointen. Vom ach so harten Schmelzer Horst hat er auch berichtet. Der sei immer auf Konfrontation aus gewesen. „Mir war'n wie Feier und Flomm - oder wie saht ma des nochmol?“ Da habe er ihm einfach mal die Meinung geigen müssen: „Horscht, du bisch jo so hart, du esch jo kä Honig, du lutscht doch Biene“.
Auch seine Ausführungen zu typisch deutschen Dingen waren der Brüller, zu Leuten, die sich Bügelfalten in die langen Unterhosen machen, zur Tatsache, dass alles beschildert werden muss in unserem Land. „Iwwerall Schilder. Fehlt nur noch so äns wie 'Für Blinde gesperrt'“.
Kannegieser braucht keine Utensilien für seinen Auftritt. Er steht einfach da und redet und redet. Er hat diese herrlichen veralteten Sichtweisen auf die Dinge des Alltags, auf die Beziehung zwischen Mann und Frau. Seine Stammtisch-„Weisheiten“ und Ansichten sind so massiv klischeebehaftet, dass es schon wieder schön ist und einen an die typischen „Stammtischler“ und deren Redeweise, die ein jeder Ort hat, erinnert. Es sind ja immer die anderen, die eine veraltete Denke an den Tag legen...
Sein Sohn habe ja lange Haare, zieht er dann auch natürlich gleich „Vergleiche“ mit Jesus. Der hänge den ganzen Tag nur herum „un wonn er donn mol was macht, isses gleich e Wunner“, erzählte er vom Zwiegespräch mit seiner Frau. Die habe den Junior ja auch fleißig gelobt, er sei ja schließlich „heute um 9 Uhr aufgestiegen und ist einkaufen gegangen“. „Jo, klar, weil e Stunn später um 22 Uhr de Penny zumacht un der nix mehr krieht“. (dir)