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Landkreis Südwestpfalz 07.10.2017

Nur noch Piepser statt Sirenen?

Abbau der Alarmierungsanlagen in der Feuerwehr umstritten

. Älteren ist das Heulen der Sirenen in Kriegszeiten noch in schrecklicher Erinnerung. In friedlichen Zeiten rufen sie die Feuerwehr zum Einsatz. Doch das könnte bald vorbei sein. Denn die Sirenen sollen verschwinden, die Alarmierung still erfolgen. Aber das ist in Feuerwehrkreisen umstritten.

So finden sich auf der einen Seite wahre Fans dieser Einrichtung, die sich teilweise als „Sirenenfreunde Südwestpfalz“ auf Facebook zusammengefunden haben. Auf der andern Seite stehen etliche, die eine Alarmierung mit Geheule nicht mehr für notwendig erachten.
Seit Anfang 2016 läuft als Pilotprojekt in der Süd- und Südwestpfalz die Umstellung von der analogen auf die digitale Alarmierung der Feuerwehrangehörigen. Jeder Aktiver erhielt einen digitalen Alarmierungsmelder, den so genannten Piepser, der ständig mitgetragen werden sollte, um im Ernstfall sofort auf den Einsatz und die Größenordnung aufmerksam gemacht zu werden. Dieser ersetzt das bisher analog betriebene Gerät, das je nach Örtlichkeit nicht immer funktionierte.
Mit der Alarmierung des Einzelnen wurden auch die Sirenen im Ort in Gang gesetzt, ebenfalls analog. Eine Minute lang gab es den dreimal für 12 Sekunden unterbrochenen Heulton als Signal für einen Feuerwehreinsatz. Vor Jahrzehnten waren diese Geräte, vom Bund finanziert, überall installiert worden, damals noch, um in Zeiten des Kalten Krieges auch Luftalarm zu signalisieren, ein durchgehend an und abschwellendes einminütiges Heulen. Das fiel mit dem Fall des Eisernen Vorhangs weg. Die Sirenen dienten nur noch der Feuerwehr-Alarmierung. Als die Ausstattung der einzelnen Wehrleute mit Individualgeräten erfolgte, gab es zwar keine Notwendigkeit mehr, die Wehrangehörigen per Sirene zu alarmieren, doch im Hinblick auf die Sensibilisierung der Bevölkerung für Schadensereignisse und Einsätze bleib diese zusätzliche Alarmierung. Wo allerdings Sirenen defekt waren, wurden sie abgebaut und nicht mehr durch neue ersetzt.
So gibt es in den zehn Ortschaften der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land samt den zugehörigen sechs Annexen nur noch fünf funktionsfähige Sirenen. Wollte man diese für die digitalisierte Alarmierung nutzen, müssten sie umgerüstet werden, wobei für jeweils Kosten von etwa 1 000 Euro anfallen würden. Wo keine mehr vorhanden ist, bräuchte man Neugeräte, was pro Sirene einen Aufwand von 7 000 Euro bedeutet. Zudem müsste wahrscheinlich die gesamte Elektroinstallation des Aufstellungsortes überprüft und eventuell verändert werden. Wehrleiter Bernd Hunsicker und sein Stellvertreter Hans-Peter Maschino sehen aber keinen Sinn in solchen Maßnahmen. Für die Wehren reiche die Ausrüstung jedes Wehrangehörigen mit einem Individualpiepser.
Dieser Meinung ist auch Wehrführer Reiner Schulze von der Stützpunktfeuerwehr Trulben. Schon seit Jahrzehnten gebe es im Ort keine Sirene mehr. Sie stand auf dem ehemaligen Rathaus und werde seit dem Abbau auch nicht vermisst.
Kurt Steuer aus Bottenbach, ehemaliger Wehrleiter der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land, ist sogar froh, dass es die Sirenenalarmierung nicht mehr gibt. Er hält nichts davon, die Bevölkerung bei jedem Feuerwehreinsatz unruhig zu machen. Alarmierungen in der Nacht hätten sogar schon zu Beschwerden geführt. Das bestätigt auch Verbandsbürgermeisterin Silvia Seebach.
Harald Borne, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, ist da anderer Meinung und weiß auch seine Wehrführer in dieser Beziehung hinter sich. Sie haben sich für den Erhalt der Sirenen ausgesprochen. In der ehemaligen Verbandsgemeinde Wallhalben seien zwar schon etliche abgebaut worden, doch in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen bestehen solche Einrichtungen noch in jedem Ort. Jede Sirene könne nach wie vor noch analog in Betrieb genommen werden, und das sei wohl noch geraume Zeit möglich, nachdem die Umstellung auf die digitalisierte Alarmierung bislang nur in einem kleinen Teil von Rheinland-Pfalz erfolgt sei.
Für den Erhalt habe man sich deshalb ausgesprochen, weil man die Sirenen aus Sicht der Feuerwehr für die Bevölkerung für „richtig und sinnvoll“ halte. Für die Wehren selbst werden sie „definitiv nicht mehr benötigt“.
Was die mögliche Umrüstung betrifft, so sollte die Trägerin der Feuerwehr, die Verbandsgemeinde, allerdings abwarten, meint Borne. So liege man im 100 Kilometer-Umkreis des Kernkraftwerks Cattenom und es bestehe damit die Chance, im Hinblick auf die Katastrophenalarmierung Umrüstungen und Neuanschaffungen über den dafür zuständigen Landkreis, beziehungsweise den Bund finanziert zu bekommen.
Die „Sirenenfreunde Südwestpfalz“ wollen diese Art der Alarmierung unbedingt erhalten. Sie informieren über die geschichtliche Entwicklung dieses wichtigen Alarmierungs- und Signalisierungsmittels. Angesichts von immer wieder auftretenden Überschwemmungen, Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen, Gefahrstoffunfällen oder terroristischen Bedrohungen hat nach Auffassung der Sirenenfreunde die Sirene als Warnmittel noch lange nicht ihre Bedeutung verloren hat.