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Patientin bei Fixierung gefilmt

Krankenhaus-Besucher machte Video und verbreitete es im Internet

Der Facebook-Eintrag über angebliche Missstände im Pirmasenser Krankenhaus, wie er gestern durch die sozialen Netzwerke ging. (Foto: Majer)

Vorsichtig öffnet sich eine Tür zum Gang der Station 83 im achten Stock des Pirmasenser Krankenhauses. Schreie und Jammern sind zu hören. Auf einem Bett liegt eine Frau, die sich heftig dagegen wehrt, von einem Pfleger und zwei Schwestern festgebunden zu werden. – Zweieinhalb Minuten dauert dieses Video, das in der Nacht zum Freitag durch die sozialen Netzwerke ging und zehntausendfach angeklickt wurde. Höchstwahrscheinlich hat es ein Besucher, der sich zum Zeitpunkt der Fixierung in einem Zimmer auf der Station befand, aufgenommen und ins Netz gestellt.

Der Mann wurde gestern morgen als dringend tatverdächtig ermittelt. Auf seinem Handy war aber das Video laut Polizei nicht zu finden. Gegen ihn hat das Krankenhaus Strafanzeige wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Patientin und Pflegepersonal gestellt. Außerdem wurde ihm sofort Hausverbot erteilt.
Viele haben das Video in Facebook geteilt. Sogar auf der Facebookseite des Krankenhauses stand es bis gestern morgen. Dazu der Vermerk: „Station 83. Umgang mit hilfesuchenden Personen schlimmer wie gedacht. Hier sieht man, wie eine Person fixiert und misshandelt wird...“
„Solche Vorkommnisse sind für unser Krankenhaus nicht von Vorteil. Gerade in der Psychiatrie gibt es Maßnahmen, die unangenehm sind aber bei aller Professionalität nicht vermieden werden können“, sagt dazu Martin Forster, Geschäftsführer des Pirmasenser Krankenhauses.
Die Fixierung einer Patientin komme sehr selten vor. Sie sei aber notwendig, wenn zuvor alle deeskalierenden Maßnahmen nicht gegriffen hätten. Wenn durch die Patientin eine konkrete Gefahr für das eigene Leben und das anderer ausgehe, sei, wie in diesem Fall, eine Fixierung auf Zeit dringend erforderlich. „Dazu muss immer eine richterliche Anordnung vorliegen, die wir auch in diesem konkreten Fall haben“, erklärt Martin Forster. Für Patient und das therapeutische Team sei dies eine extreme emotionale Belastung.
Vor der Durchführung wurden am Donnerstagabend alle Patienten und Besucher der psychiatrischen Abteilung auf ihre Zimmer geschickt und aufgefordert, die Türen geschlossen zu halten. Daraufhin wurde die Patientin mit dem Bett auf den Flur geschoben. „Denn in einem Krankenzimmer ist nicht genug Platz für eine solche Maßnahme“, sagt Forster.
Auf dem Video war auch ein Mann im Rollstuhl zu sehen, der die Situation beobachtete. Forster: „Das ist ein Patient, der unter ständiger Kontrolle sein muss.“
Bei der Patientin handelt es sich um eine 23-jährige Frau aus dem Landkreis, die im November letzten Jahres wegen einer Psychose in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Ihre Mutter und ihr Onkel, die von dem Video geschockt waren, haben ebenfalls bei der Polizei Anzeige erstattet. Sie hat die Ermittlungen unter anderem wegen „Eingriffen in den höchst persönlichen Lebensbereich der jungen Frau und auch der Pfleger aufgenommen“, so Polizeisprecher Martin Sema.
Das Video ist mittlerweile gelöscht. Ein pauschales Handyverbot für Besucher und Patienten in der Psychiatrie wird das Krankenhaus nicht erlassen. (fjm)