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Polizei tappt weiter im Dunkeln

Ermittler sammeln Indizien nach Massaker von Las Vegas – Freundin vernommen

Die amerikanische Polizei hat die Freundin des Attentäters vernommen und viele Indizien gesammelt, doch das Motiv für das Massaker von Las Vegas liegt weiter im Dunkeln. Warum hat der 64-jährige Amerikaner Stephen Paddock aus dem Fenster seines Hotelzimmers heraus in eine Menschenmenge gefeuert und dabei mindestens 58 Menschen getötet? Diese Frage bewegt derzeit ganz Amerika.

Polizisten fanden bei der Durchsuchung des Zimmers im 32. Stock des Mandalay Bay Resort Hotels am berühmten Strip von Las Vegas einen Zettel mit einer Notiz des Attentäters. Über den Inhalt wurde zunächst nichts bekannt, es habe sich jedoch nicht um einen Abschiedsbrief gehandelt. Der Bezirkssheriff von Las Vegas, Joseph Lombardo, geht nun auch davon aus, dass dem Mann bei der minuziösen Vorbereitung der Tat geholfen worden sein muss.
„Man muss annehmen, dass er an irgendeinem Punkt Hilfe gehabt hat“, sagte der Bezirkssheriff. Die Vernehmung seiner inzwischen von den Philippinen in die USA zurückgekehrten Freundin, einer 62 Jahre alten Australierin mit philippinischen Wurzeln, brachte zunächst keine wesentlichen Erkenntnisse. Die Frau gab der Polizei zufolge an, sie habe von einem Plan für ein Verbrechen nichts gewusst. Unklar ist auch, ob der Mann weitere Taten geplant hatte. Offenbar hatte er hoch gelegene Räume in einem Gebäude angemietet, das den Blick auf ein weiteres Musikfestival ermöglichte. Es gebe auch Erkenntnisse, wonach Paddock nach den Schüssen von Las Vegas einen Fluchtplan gehabt haben könnte. In seinen Häusern hatte der 64-Jährige weitere Schusswaffen sowie Chemikalien gehortet, aus denen Sprengstoff gemacht werden kann.
Als Einsatzkräfte während des Massakers das Zimmer im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels umstellten, fanden sie zwei Kameras, die Paddock auf einem Servierwagen im Flur vor seinem Zimmer installiert hatte, berichtete der Sender CNN. Eine weitere habe im Guckloch der Zimmertür gehangen. „Er tat zu diesem Zeitpunkt alles ihm Mögliche, um zu sehen, wie er noch fliehen könnte“, so Lombardo. Als ihm das nicht möglich schien, habe er sich erschossen.
Die Zahl der Verletzten von Paddocks Schüssen bezifferte Lombardo am Mittwochabend mit 489, nachdem zuvor von mehr als 500 die Rede gewesen war. 317 davon hätten das Krankenhaus inzwischen verlassen können, berichtete die „Washington Post“. Ein deutsches Ehepaar, das im Urlaub im selben Stockwerk des selben Hotels wie der Schütze wohnte, beschrieb die Lage in Las Vegas nach dem Attentat bei „Stern TV“ als „wie im Kriegsgebiet“.
US-Präsident Donald Trump hatte sich am Mittwoch in Las Vegas mit Überlebenden des Massakers sowie Ersthelfern und Polizisten getroffen. Dabei würdigte er den Mut von Opfern, die trotz eigener Verletzungen zuerst anderen beigestanden hätten, den Einsatz der Polizei und anderer ziviler Helfer. Den Todesschützen bezeichnete er als eine „verrückte, kranke Person“. Die Freundin des Attentäters beschrieb Paddock dagegen als „fürsorglichen“ und „gütigen“ Menschen, den sie geliebt habe. Sie sei über das, was er angerichtet habe, völlig am Boden zerstört.
In die Diskussion um schärfere Waffen-Gesetze in den USA ist nach den Schüssen von Las Vegas zumindest etwas Bewegung gekommen. Mehrere Senatoren der Republikaner, die bisher strikt gegen jede Eindämmung des Rechts auf freien Zugang zu Schusswaffen eintraten, signalisierten, zumindest über das Verbot von Umbauvorrichtungen sprechen zu wollen. Damit können halbautomatische Waffen bisher legal zu automatischen Waffen umgebaut werden, die außerhalb von Polizei und Militär verboten sind. (dpa)