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Film 31.08.2017

Raves und alte Zeiten

„Magical Mystery“ lässt 90er aufleben

In den 90ern war Techno das große Ding. In riesigen Hallen wurde gefeiert, nächtelange Raves. Und wenn es nicht mehr weiterging, gab es diese niedlichen, bunten Aufputschpillen. Im Film „Magical Mystery“ geht es zurück in diese Zeit. Fünf Jahre sind vergangen, seit eine Gruppe Freunde ihre wildesten Partys erlebte. Nun wollen sie an damals anknüpfen und gemeinsam auf eine Techno-Tour durch Deutschland gehen. Lauter Technofreaks und ein labiler Ex-Künstler: „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“ nach einem Roman von Sven Regener ist ein Roadtrip, eine musikalische Zeitreise, etwa mit Westbam oder Whirlpool Productions.
Raimund (Marc Hosemann) und Ferdi (Detlev Buck) gehörten zu den ersten Technojüngern der Achtziger. Seitdem sind viele Jahre vergangen. Es ist das Jahr 1995, und die beiden sind selbst zu Stars der Szene geworden mit ihrem Berliner Plattenlabel Bumm Bumm Records. Um ihr Geschäft zu promoten, wollen sie auf Rave-Tour gehen, mit Freunden von früher, aber auch mit Jüngeren. Anja und Dubi, Holger und Basti, Sigi, Schöpfi und Rosa. Doch wer soll den Tourbus fahren, wenn alle exzessiv feiern? Die Wahl fällt auf Karl, genannt Charly. Aufgrund von Drogenkonsum und einem Nervenzusammenbruch kam der Künstler vor fünf Jahren in die Psychiatrie. Nun ist er geläutert, lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft. Karl will erst nicht mit, doch das Angebot ist zu verlockend: Er trickst seinen Betreuer (Bjarne Mädel) aus und haut von zu Hause ab.
Feldhusen nimmt die Zuschauer mit auf eine Zeitreise, die großen Spaß macht. Riesige Hallen mit Tausenden feiernden Menschen im wabernden Kunstnebel. Dazu harte Technobeats und der Wunsch nach Liebe, Frieden und Gemeinschaft. Gleichzeitig macht der Film unerbittlich klar: Alte Zeiten sind unwiederbringlich vorbei. Auch wenn das Ambiente stimmt, ist doch alles anders. Nicht zuletzt, weil der Körper Grenzen setzt und nicht mehr so viel wegsteckt.
Hübner spielt den labilen Karl mit wunderbarer Lakonie und Duldsamkeit. „Du musst uns nur fahren und ein bisschen auf uns aufpassen“, haben ihm Raimund und Ferdi versprochen. Für die beiden hat die Tour eine tiefere Bedeutung. „Wir brauchen was für die Seele. Geld ist nicht alles.“ Deshalb planen sie ihre „Magical Mystery“-Tour nach einem berühmten Vorbild: „Wie bei den Beatles, nur auf Rave.“ So gehen sie allesamt auf Sinnsuche, auf ihre Art. Sie stehen am DJ-Pult und legen auf, feiern, trinken, nehmen Drogen. Karl putzt den Tourbus, pflegt zwei Meerschweinchen und sorgt dafür, dass alle ins Hotel zurückfinden. Eine harte Aufgabe und doch der Weg zur Erkenntnis, dass es im Leben immer weitergeht, auch wenn die alten Zeiten vorbei sind.