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Film 31.08.2017

Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson fliehen

Selbstironischer Action-Streifen „Killer’s Bodyguard“ – Darsteller ein Genuss

Sie sind fast 30 Jahre auseinander, haben auch sonst nicht allzu viel gemein: Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson. Reynolds kommt aus dem kanadischen Vancouver, hat zu Beginn der Karriere mitgespielt in Komödien wie „Party Animals – Wilder geht’s nicht!“, machte später mit Engagements in Filmen wie der Comicadaption „Green Lantern“ auf sich aufmerksam. Der 40-Jährige war bereits mit Alanis Morissette und Scarlett Johansson liiert, ist zurzeit mit Blake Lively verheiratet. Der Darsteller wurde 2010 von einem US-Magazin zum „Sexiest Man Alive“ gewählt.
Der 68-jährige Jackson wuchs in Tennessee auf, feierte seinen Durchbruch mit dem Kultfilm „Pulp Fiction“, ist seit 1980 mit derselben Frau verheiratet und gilt eher als Charakterkopf denn Schönling. Auch im Kino zeigen sich die beiden nun als ungleiches Paar: Reynolds gibt in „Killer’s Bodyguard“ einen so renommierten wie smarten und meist gut angezogenen Bodyguard. Jackson einen zwielichtigen und brutalen Auftragsmörder. Unter der Regie von Patrick Hughes („The Expendables 3“) müssen der Killer und der Bodyguard erkennen, dass sie weit mehr gemeinsam haben, als ihnen lieb ist.
Er hat schon unzählige Klienten bewacht und vor Attentätern gerettet. Auf diesen einen, sehr besonderen Kunden aber würde Michael Bryce (Reynolds) lieber verzichten: Schon 27 Mal hat Kincaid (Jackson) versucht, Bryce umzubringen. Und nun soll er dafür sorgen, dass ausgerechnet dieser Kincaid lebendig zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gelangt. Dort soll Kincaid, der bereits seit frühester Jugend als Auftragskiller arbeitet, gegen einen weißrussischen Despoten (ein maliziöser Gary Oldman) aussagen.
Zwar gilt Bryce als einer der besten Personenschützer der Welt, dieser Auftrag aber ist ein in mehrfacher Hinsicht komplizierter: Nicht nur, dass er Kincaid, diesen so fiesen wie sehr humorvollen Auftragsmörder, partout nicht ausstehen kann, den beiden sind auch stets brandgefährliche und hochgerüstete Söldner auf den Fersen. Die Flucht von London in die Niederlande jedenfalls soll alles andere als leicht werden für das ungleiche, in treuer Feindschaft miteinander verbundene Duo.
Es gibt viele Actionstreifen, die darunter leiden, dass sie sich zu ernst nehmen. „Killer’s Bodyguard“ fällt nicht in diese Kategorie. Dafür sorgt vor allem das wunderbare, stets augenzwinkernde Spiel der beiden Hauptdarsteller. Reynolds und Jackson tragen viel Humor in einen phasenweise arg konventionell angelegten Thriller. Sie sorgen sogar für einen Hauch von Romantik. Wenn die beiden sich in ihrem Fluchtauto über die Liebe (beide brennen sie für dunkelhaarige Schönheiten, eine davon verkörpert von der wunderbaren Salma Hayek) austauschen, über die Fallstricke des Lebens und darüber, was sie eint und trennt, dann entsteht tatsächlich so etwas wie Intimität.
Dazu kommen wunderbar alberne Szenen, die das über weite Strecken testosterongeschwängerte Geschehen hübsch konterkarieren: eine skurrile Pinkelpause, zwei Männer inmitten einer Kuhherde, schließlich eine Sequenz, die Reynolds und Jackson in einem Bus voller italienischer Nonnen zeigt. Jacksons Kincaid versteht sich bestens mit den Ordensfrauen; ein Killer wohlgemerkt, der 250 Menschen auf seinem Gewissen hat. Überhaupt gelingt es dem Film, Genrekonventionen in Sachen Gut und Böse ad absurdum zu führen. Kincaid, so erfahren wir sukzessive, ist mehr als nur ein kaltblütiger Mörder.
Auch die musikalische Begleitung trägt zur schwungvollen und dabei stets selbstironischen Inszenierung bei. Im Film zu hören sind Stücke von Foreigner, Lionel Richie oder Chuck Berry – einfühlsamer Pop genauso wie beschwingter Soul und auch mal etwas härterer Rock. Eine gelungene Melange, die das mal lebhafte, mal nachdenkliche Geschehen auf der Leinwand gekonnt spiegelt und kommentiert. Dieser teils ironische Umgang mit der flankierenden Musik erinnert in den stärkeren Momenten an Kultregisseur Quentin Tarantinos Einsatz von populärer Musik in dessen Filmen. Noch eindringlicher in „Killer’s Bodyguard“ ist nur das immer wieder ertönende Lachen von Samuel L. Jackson. Ein schallendes, nur hie und da von Verzweiflung, meist aber von großer Lebensfreude kündendes Lachen.