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Kultur 04.10.2017

Songs mit Mutterwitz und Galgenhumor

„Halwer so schlimm“: Liedermacherin aus Erfweiler gab Konzert in der „Werkstatt“

Man kann nur hoffen, dass dieser sympathischen, in ihrer Heimat kaum bekannten Botschafterin der Westpfalz, Sandra Bronder, künftig öfters die Chance auf ein Heimspiel geboten wird. Fernsehauftritte und zahlreiche Konzerte haben sie außerhalb der Region, insbesondere im Saarland, bekannt gemacht.
Was die Liedermacherin beim Konzert der Galerie „Die Werkstatt“ in Erfweiler zu Gehör brachte, war allererste Sahne – Hannes Wader, Reinhard Mey und Bettina Wegner ließen grüßen. Kritisch beleuchtet Bronder die große Weltpolitik, sich selbst und ihre Mitmenschen, wobei es ihr mit viel Mutterwitz und Galgenhumor gelingt, auch die alltäglichen Dinge des Lebens zu thematisieren.
Der liebe Gott spielt eine große Rolle im Leben der Musikerin aus Erfweiler. „Der erste Stein“ aus der Feder der Künstlerin ist ein Lied, das die Klatschtanten auffordert, vor der eigenen Haustüre zu kehren. Sandra Bronder nimmt auch die „Blinden Propheten“ aufs Korn, die nichts zu geben haben – aber viele hörig werden lassen, weil sie den Menschen in einer Zeit, in der keiner mehr richtig hinhört, ihr Ohr leihen.
Immer sich selbst reflektierend und sich selbst hinterfragend erzählt die 45-Jährige, ganz ohne es zu wollen, dass das Leben mit ihr nicht immer liebevoll umgegangen ist. „Sterben werde ich diesmal daran nicht“ stellt sie fest, weil sie beschlossen hat, obwohl sie tief getroffen und schwer verwundet wurde, ihren Stolz zu behalten. Sie ist daran gewachsen und hat etwas zu erzählen und weiterzugeben mit ihren Geschichten, die andere zum Nachdenken und Hinterfragen anregen.
Sandra Bronder bringt aber nicht nur selbst geschriebene und komponierte Songs in Hochdeutsch zu Gehör – sie bricht immer wieder eine Lanze für die „südwestpfälzische“ Sprache. Eine berührende Hommage hat sie für ihre Heimatgemeinde komponiert, in der es nicht nur einen Wolfgangsee gibt, die Kirche und der Kindergarten dem Heiligen Wolfgang anvertraut sind, sondern auch der langjährige, inzwischen verstorbene Altbürgermeister Frary ein Wolfgang war. Die Geschichte, in der sich ein Wolfgang aus Dahn in der Köhlerwoche ausgerechnet in eine Hauensteinerin verguckt, lässt grinsen.
In wenigen Strophen versteht sie es, die Eigenarten der Felsenländer herauszuarbeiten. So kommt für den verschmähten Dahner weder eine Dame aus „Schwanne“ in Frage und schon gar keine viel zu anspruchsvolle Bundenthalerin. Dass er dann am Ende völlig frustriert ins Saarland auswandert - weil aus einem Dahner nun mal kein „echter Häschdner werre kann“, ist auch keine Lösung.
Aber auch die große Weltpolitik thematisiert Bronder auf Pfälzisch – was die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes gegenüber all denen, „die jetzt wieder aufrüsten, sich mit Hassparolen brüsten, krank im Kopp nach Weltmacht geiern und Atombomben abfeuern“, noch einmal ein ganz besonderes Gewicht verleiht. Die Lösung sieht Bronder in der Weihnacht, die bereits seit 2000 Jahren Wunder bewirken kann. Und Sandra Bronder hat den Blues „uff pälzisch“ – was sie unter anderem mit dem „Bandscheiben-Blues“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dabei lässt ihr Kampf mit den Doktores auf der Suche nach Heilung hell auflachen. Mutig ist Sandra Bronder auch. Sie covert respektlos die ganz Großen, wie Elvis Presley oder „Dr Hook“, wobei sie es ausgezeichnet versteht, Liedern wie „In the Ghetto“ oder „Sylvia's Mother“ ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken.
Grandios natürlich der Song, der dem ganzen Konzert den Namen gegeben hatte „Halwer so schlimm“. Und nach all den vielen unglaublichen Begebenheiten stellt sie, ganz dem pfälzischen Pragmatismus entsprechend, fest: „Halwer so schlimm – Schwamm drüwwer – als weiter“.
Mitgebracht hatte Sandra Bronder ihre Musikerkollegen, den Gitarristen Klaus Reiter, den Pirmasenser Manfred Kleiner mit E-Piano und Akkordeon, und die Sängerin Janina Burger aus Lemberg. Das Publikum in den bis auf den allerletzten Platz besetzten Ausstellungsräumen der kleinen Galerie war hellauf begeistert. (lh)