FlixBus 9€ Aktion
Anzeige FlixBus 9€ Aktion

PZ-Sonderthemen

PZ-Kur 2017

Bildergalerie

Das Wetter heute

Digitales Probeabo

Heimat-Jahrbuch / Heimatkalender

JUPI 2017

Sonderveröffentlichungen B 10

Telefonsuche

Film 14.09.2017

Steven Soderbergh kehrt ins Kino zurück

Channing Tatum und Daniel Craig als Safeknacker in „Logan Lucky“

Eigentlich hatte Steven Soderbergh den Lichtspielhäusern Adieu gesagt. Es ist mehr als vier Jahre her, dass sich der renommierte US-Regisseur („Ocean’s Eleven“), dessen Karriere 1989 mit „Sex, Lügen und Video“ begann, öffentlich von der großen Leinwand verabschiedete. Der heute 54-Jährige wollte sich dem Fernsehen widmen. In seiner Kino-Auszeit arbeitete Soderbergh an TV-Serien wie etwa „The Knick“. Nun aber der Rücktritt vom Rücktritt.
Soderbergh, der zu den ganz wenigen amerikanischen Filmemachern gehört, denen es immer wieder gelingt, die Stärken eines breitenwirksamen Hollywoodkinos mit den Vorteilen des kleinen, unabhängigen US-Films zu vereinen, kehrt auf die große Kinoleinwand zurück. Dass er sich dabei von so starken Schauspielern wie James-Bond-Darsteller Daniel Craig, Channing Tatum („Magic Mike“) und Adam Driver („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) flankiert weiß, macht die Rückkehr leichter. Es geht um einen gekonnt inszenierten und spannend erzählten Raubzug in einem ganz typischen, uramerikanischen Teil der Vereinigten Staaten.
Im Mittelpunkt von „Logan Lucky“ stehen die beiden Brüder Jimmy (Tatum) und Clyde (Driver). Beide haben es nicht leicht; immer wieder ist im Film von einem Fluch die Rede, der auf der Familie aus West Virginia laste. Während Jimmy getrennt von seiner Frau lebt und sich in finanzieller Hinsicht mehr schlecht denn recht behauptet, büßte Clyde bei einem Einsatz im Irak gar einen Großteil des linken Armes ein. Der Barkeeper trägt seither eine Prothese, die noch eine Rolle spielen soll in diesem bunten Gaunerstück voller Wendungen und Überraschungen.
So misslich die Lage aber auch ist, irgendwie geht es für die Logans immer weiter. Jimmy zudem verfällt auf eine zunächst völlig verrückt und gänzlich unrealisierbar anmutende Idee: Ausgerechnet bei einem der größten Autorennen der Vereinigten Staaten will Jimmy zuschlagen, es geht um einen unterirdischen Tresor, in dem die Tageseinnahmen gesichert werden. Alleine freilich mag das zwar entschlossene, jedoch leicht naive Brüderpaar nicht agieren, fachmännischen Beistand holt man sich schließlich bei einem berühmt-berüchtigten Safeknacker (Craig).
„Logan Lucky“ ist ein Film mit vielen Stärken. Einen guten Teil seiner Anziehungskraft verdankt er dem wunderbaren Darsteller-Ensemble. Tatum versteht es, als ehemaliger Football-Star, der sich nach einer Verletzung mit Jobs durchschlägt und rührend mit seiner Tochter umgeht, für sich einzunehmen. Driver empfiehlt sich nach seinem grandiosen Spiel in Jim Jarmuschs „Paterson“ endgültig als Jungmime Nummer eins.
Sehr hübsch und sehr unerwartet die Szenen mit Daniel Craig: Der Brite, der jüngst bekanntgab, dass er nun doch für einen weiteren Bond-Film zur Verfügung steht, ist in „Logan Lucky“ zunächst kaum wiederzuerkennen, was vor allem an seinem strohblonden Haarschopf liegt. Sein Spiel zudem ist sehr selbstironisch, man wünscht Craig mehr Auftritte dieser Art. Auch die weniger großen Namen können sich behaupten, Riley Keough etwa als Schwester von Jimmy und Clyde: Die Amerikanerin und älteste Enkelin von Elvis Presley hat in Filmen mitgespielt wie „American Honey“. Unbedingt zu erwähnen ist der überraschende Auftritt von Hilary Swank („Million Dollar Baby“), der daran erinnert, wie wenig Spielzeit die Oscarpreisträgerin im Kino der jüngeren Vergangenheit hatte.
Soderbergh erweist sich auch diesmal als Stilist und Farbmagier. Dass ihm knallige Farbpaletten gefallen, hat der Amerikaner längst mit Filmen wie „Magic Mike“ unterstrichen. Auch „Logan Lucky“ bietet etwas fürs Auge. In einer eigentlich nebensächlichen, beiläufigen Szene etwa taucht Soderbergh eine betagte Lady, die gerade von der Polizei angehalten wird, in ein tiefdunkles Lila: Die Haare der Dame, ihre Kleidung und auch ihr Auto – der ganze Moment wirkt wie die Verbeugung vor einer Farbe. Soderbergh freilich huldigt auch anderen Tönen, sein Himmel über West Virginia ist von exquisitem Blau, sein Rot so satt und kräftig, wie man es lange nicht sah.
Der Regisseur indes unterstreicht mit „Logan Lucky“ nicht nur, dass er sich auf Schauwerte und pointierte Dialoge versteht. Er ist auch ein ungemein schlauer Filmemacher. Erst nach und nach realisiert man, dass „Logan Lucky“ auch das mehr oder weniger versteckte Porträt eines so autoverrückten wie patriotischen, eines vermeintlich Trump-affinen Amerika ist. Soderbergh, der Intellektuelle, aber führt das vermeintlich rückständige Donald-Trump-Amerika zu keiner Sekunde vor. Das wäre zu einfach, zu wohlfeil. Einen so quietschbunten, so eingängigen wie zugleich sehr klugen Film jedenfalls findet man selten im zeitgenössischen Kino. Soderberghs Rücktritt vom Rücktritt hat sich gelohnt.