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Film 31.08.2017

Wenn „The Limehouse Golem“ kommt

Mystery-Horror von Format angesiedelt in armseliger Gegend des viktorianischen London – Prunkvolle Ausstattung und Tiefgang

Es ist eine Elendswelt, wie man sie aus Dickens-Romanen zu kennen glaubt – und wo jederzeit ein Sherlock Holmes einem grausamen Verbrechen auf der Spur sein könnte. Den Londoner Hafenbezirk Limehouse des Jahres 1880 malt der Regisseur Juan Carlos Medina („Painless“) atmosphärisch und detailliert in düsteren Farben, nur spärlich erhellt von flackerndem Gas- oder Kerzenlicht. Seeleute, Höker, gefallene, verlassene Frauen und hungernde Kinder hausen hier in engen Gassen. Freude scheint allein das Varieté zu bieten, in dem der Star-Clown Dan Leno (Douglas Booth) vor tobender Menge brilliert.
Kein Wunder, dass in solchem Umfeld „The Limehouse Golem“ umgeht – so denn auch der Titel des britischen Mystery-Horrorthrillers. Jemand, der schon mehrere Anwohner getötet hat. Und zwar so bestialisch, dass es sich nach Meinung der Leute dabei nur um den Golem handeln kann – jene aus der jüdischen Mythologie überlieferte Lehmfigur, die über gewaltige Kräfte verfügt. Der elegante, seltsam introvertiert wirkende Inspektor Kildare (Bill Nighy, „The Best Exotic Marigold Hotel“) soll den Fall lösen und dafür sorgen, dass wieder Ruhe im Viertel einkehrt. Schnell stößt er auf Lenos Bühnen-Kollegin Elizabeth Cree (Olivia Cooke), die ihren Mann vergiftet haben soll – und in die Vorfälle verwickelt sein könnte.
„The Limehouse Golem“ nach dem Roman „Dan Leno & The Limehouse Golem“ von Peter Ackroyd ist ein anspruchsvoller Whodunit, von dem sich nicht nur Genre-Fans fesseln lassen dürften. Die Ausstattung prunkt nicht zuletzt mit ihrer warm erleuchteten Music-Hall samt exzentrischer Akteure. Der berühmteste von ihnen, Dan Leno, führt als eine Art Wegweiser durch den Film. Den Komiker, der sein Publikum mit furiosen Revuenummern leidender Frauen fasziniert, gab es wirklich. Er wurde reich und begeisterte selbst Edward VII., so dass man ihn „The King’s Jester“ nannte – den Narren des Königs. Von Lenos Sketch „Mrs. Kelly“ ist im Internet eine Tonaufnahme von 1901 zu finden. In „The Limehouse Golem“ treten Menschen auf, deren Innen- und Triebleben im schwelenden Kontrast zur gesellschaftlichen Ordnung ihrer Zeit stehen. (dpa)