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Kultur 19.02.2015

Zarte Duette und wilde Tänze

Beeindruckende Inszenierung der „West Side Story“am Pfalztheater

Eine wilde Truppe: Die Jets in Aktion. (Foto: Pfalztheater/Walzl)

Am Fasnachtsdienstag verzichtete eine ansehnliche Schar von Pirmasenser Musikfreunden auf den Kehraus und fuhr stattdessen mit vier Bussen nach Kaiserslautern, um am Pfalztheater Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“ zu erleben. Das Werk, eine Mischung aus Oper, Jazz und Unterhaltungsmusik, basiert auf der Romeo-und-Julia-Thematik, ist aber mit seiner Sozial- und Zuwanderer-Problematik und dem Motiv der gewaltbereiten Jugendlichen auch erschreckend zeitgemäß.
Es muss im Theater nicht immer Realismus pur sein. Karin Fritz zeigte mit ihrer Arbeit ein gelungenes Beispiel für ein modernes, abstraktes und doch eindrucksvolles, stimmiges Bühnenbild. Minimalistisch gehalten mit nur wenigen Requisiten, bestand es in jeder Szene fast nur aus Metall, das ein modernes und sauberes Amerika symbolisierte, gleichzeitig aber kalt und bedrohlich wirkte.
Die am Pfalztheater verfügbare Bühnentechnik tat ein Übriges. Metallvorhänge hoben und senkten sich, imposant hohe, schwarze Blöcke, die auf New Yorks Häuserschluchten verwiesen, konnten in verschiedene Konstellationen geschoben werden, eine Metalltreppe, die das Zuhause der Maria vorstellte, konnte gegebenenfalls nach vorne gleiten, etwa für die Balkonszene à la Romeo und Julia. Die durchdachte Beleuchtung (Manfred Wilking) erhöhte jeweils den Effekt. Die Kostüme von Aleksandra Kica charakterisierten die beiden rivalisierenden Jugend-Gangs sehr treffend. Die einheimischen, aus sozial schwachen Schichten stammenden „Jets“ trugen Jeans beziehungsweise Kleider im Stil der 50er Jahre, die aus Puerto Rico eingewanderten „Sharks“ legere Anzüge und karibisch angehauchte Kleider.
Das Orchester des Pfalztheaters unter der Leitung von Silvia Canali spielte glänzend und konnte die ungeheuer intensive und aufregende Musik Bernsteins bestens darstellen. Immer wieder entstand eine ungeheure Spannung und ein fesselnder Drive, auch die mitreißende Rhythmik der lateinamerikanischen Musik gelang hervorragend. Wunderschön wurden außerdem die stillen, gefühlvollen und traurigen Nummern, wie bei den Liebesduetten oder beim tragischen Schluss der Geschichte, ausgeführt.
Die „West Side Story“ verlangt eine große Zahl junger Darsteller, wobei nicht nur die Hauptakteure Sänger, Tänzer und Schauspieler zugleich sein müssen. Das Ensemble des Pfalztheaters brachte diese Qualitäten durchgehend mit, jeder Einzelne zeigte größtes Engagement, so dass die energiegeladene Ausführung der Choreographien (Friedrich Bührer, für die Kampfszenen Cusch Jung) nur begeistern konnte. Angefangen von den Anklängen ans klassische Ballett bis hin zu den Schlägereien wurde die fundierte Ausbildung der Akteure deutlich. Die Chöre gelangen glänzend, zum Beispiel das vielschichtige „Tonight“ vor dem großen Kampf. Beim berühmten „America“ wurde auf Wohlklang gänzlich verzichtet und dafür eine richtig wilde und ausgelassene Interpretation geboten.
Vladimir Korneev war für die Rolle des Bernardo, Anführer der „Sharks“, wie geschaffen und spielte trotz Erkältung überzeugend. Den Riff, Anführer der „Jets“, gab Dominique Bals mit schauspielerischem Können und großer Bühnenpräsenz. In seinen Songs wie dem „Jet Song“ oder „Cool“ zeigte er sich außerdem als versierter Sänger. Die Anita wurde von Astrid Vosberg verkörpert, die die handfeste Puerto-Ricanerin glaubhaft machen konnte und zudem noch hervorragend sang. Martin Pasching, der die Hauptrolle des Tony übernommen hatte, war wie sein Kollege vor Beginn als indisponiert entschuldigt worden, was seiner Stimme auch anzumerken war.
Dennoch konnte niemandem entgehen, was für ein brillanter Sänger da auf der Bühne stand. Mit einer angenehmen, weichen Stimme begabt, erfreute er zum Beispiel beim bekannten Liebeslied „Maria“, konnte aber, unterstützt von einer stets bestens ausgesteuerten Tontechnik, auch ein enormes Volumen und höchste Dramatik erzeugen. Die Maria wurde von Monika Hügel dargestellt, deren helle, mädchenhafte und biegsame Stimme perfekt zur Rolle der jungen Verliebten passte. So wurden die Duette von Tony und Maria zu musikalischen Höhepunkten des Abends, äußerst einfühlsam und herrlich zart, aber auch sehr emotional, einfach zum Dahinschmelzen.
Das Publikum applaudierte herzlich und forderte mehrere (Metall-) Vorhänge heraus, bevor die zufriedenen Pirmasenser wieder Richtung Heimat fuhren. (bl)