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Politik 12.10.2018

50 Länder vor Niederlage im Kampf gegen Hunger

Kriege und Klimawandel drohen Erfolge zunichte zu machen – Müller: Skandalöse Entwicklung

Mit Nothilfe allein ist es nicht getan, so die Welthungerhilfe. (Foto: dpa)

Wegen bewaffneter Konflikte und des Klimawandels droht dem weltweiten Kampf gegen den Hunger ein Rückschlag. „Wenn das Tempo bei der Bekämpfung des Hungers gleich bleibt, wird es 50 Ländern nicht gelingen, den Hunger bis 2030 abzuschaffen“, teilte die Welthungerhilfe gestern in Berlin bei der Veröffentlichung des Welthunger-Index 2018 mit.

BERLIN. Zwar seien die Werte zur Hungersituation seit dem Jahr 2000 weltweit insgesamt um 28 Prozent gefallen, die jüngst gestiegene Zahl der Hungernden auf nun 821 Millionen Menschen zeige jedoch, dass der Trend wieder in die falsche Richtung gehe.
Der Welthunger-Index (WHI) bewertet die Lage in 51 Ländern der Erde als ernst oder sehr ernst. Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, forderte mehr Engagement zu Beilegung von Konflikten. „Ohne politische Lösungen wird dieser Kampf nicht zu gewinnen sein.“
Schlusslicht in dem Index ist die Zentralafrikanische Republik, wo die Situation „gravierend“ ist. In dem Land war 2012 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit gegenüberstanden. Erst in Folge einer französischen Militärintervention, der ein UN-Friedenseinsatz folgte, stabilisierte sich die Lage. Allerdings brachen 2017 neue Kämpfe aus.
Die regional höchsten Hungerwerte gibt es in Südasien und Afrika südlich der Sahara. „In beiden Regionen sind die Werte für Unterernährung, Wachstumsverzögerungen bei Kindern, Auszehrung bei Kindern und Kindersterblichkeit unannehmbar hoch“, heißt es in der Untersuchung. Es gibt aber auch weitere Fortschritte: Angola, Ruanda, Äthiopien und Myanmar gehören zu den Vorreitern mit einer Verbesserung des WHI-Wertes um mehr als 45 Prozent.
Der Bericht soll aufzeigen, dass Hunger sowohl Ursache als auch Folge von Flucht und Vertreibung ist. In Ländern mit bewaffneten Konflikten sei der Hunger doppelt so hoch wie im Rest der Welt. Mehr als 68 Millionen Menschen seien weltweit auf der Flucht, so viele wie nie zuvor.
Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kritisierte, dass die Zahl der Hungernden seit drei Jahren wieder steige: „Das ist ein Skandal – denn unser Planet hat Potenzial, alle Menschen zu ernähren. Das Wissen und die Technologie sind vorhanden für eine Welt ohne Hunger.“ (dpa)