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Politik 09.11.2018

Autoindustrie will Angebote für Besitzer älterer Diesel erweitern

Scheuer und Konzerne erzielen Kompromiss – Fahrverbote auch in Köln und Bonn

Die deutsche Autoindustrie will nach heftiger Kritik an einem ersten Diesel-Paket nachbessern und ihre Angebote für Besitzer älterer Fahrzeuge erweitern. Dazu können auch die von den Herstellern skeptisch beurteilten Hardware-Nachrüstungen an Motoren und Abgaseinrichtungen gehören.

Das sieht ein Kompromiss vor, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die deutschen Hersteller bei einem Spitzentreffen gestern in Berlin erzielten. Zeitgleich ordnete ein Gericht weitere Diesel-Fahrverbote für Köln und Bonn an.
Nach einem langen Ringen mit der Bundesregierung über zusätzliche Maßnahmen sagten VW, Daimler und BMW zu, ihre Angebote an betroffene Kunden aufzustocken, wie der Branchenverband VDA mitteilte. Scheuer sagte, die Hersteller hätten sich „sehr stark bewegt“. Verbraucherschützer und die Opposition übten dagegen Kritik.
Erzielt wurde ein komplexer Kompromiss: Die Hersteller hatten bereits höhere Preisnachlässe auf den Weg gebracht, wenn Kunden ihre alten Diesel in Zahlung geben und einen saubereren Wagen kaufen. Diese Regelung gilt für 15 „Intensivstädte“ in Deutschland, in denen Schadstoff-Grenzwerte vor allem durch Dieselabgase besonders stark überschritten werden. Die „Umtauschprämien“ laufen je nach Hersteller bis in die Jahre 2019 und 2020. Diese Umtauschaktionen sollen weiter im Vordergrund stehen, so Scheuer.
Nutzen aber betroffene Dieselbesitzer diese Aktionen nicht, sind weitere Maßnahmen geplant. Demnach sind Volkswagen und Daimler bereit, die dann verbliebenen älteren Dieselautos in den „Intensivstädten“ für bis zu 3 000 Euro pro Wagen mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen – das sind die Hardware-Nachrüstungen. Bisher hatten VW und Daimler angeboten, 2 400 Euro pro Fahrzeug zu zahlen. Die Bundesregierung hatte auf eine höhere Beteiligung gepocht. Experten schätzen die Kosten inklusive Einbau auf etwa 3 000 Euro.
Bei den teuren Hardware-Nachrüstungen müssen aber noch technische und rechtliche Vorschriften entwickelt werden. „Technische Lösungen für Pkw-Hardware-Nachrüstungen werden nach der erforderlichen Entwicklungs- und Zulassungszeit nicht kurzfristig am Markt verfügbar sein“, sagte Scheuer. Und derzeit könne niemand sagen, wie teuer eine Hardware-Nachrüstung für Diesel-Pkw tatsächlich sein werde. Es wird davon ausgegangen, dass Hardware-Nachrüstungen nicht vor 2020 verfügbar sind. VDA-Präsident Bernhard Mattes sagte, die drei deutschen Hersteller würden für die Zeit nach 2020 sicherstellen, dass Kunden mit Euro-5-Diesel-Altfahrzeugen durch herstellerspezifische Angebote „mobil bleiben“ könnten. „Dazu können auch Hardware-Nachrüstungen zählen.“ Oberstes Ziel sei die Vermeidung von Fahrverboten.
Derweil bahnen sich die nächsten Fahrverbote an: Köln muss ab Frühjahr 2019 Fahrer älterer Diesel aus dem Großteil des Stadtgebiets ausschließen, entschied das Kölner Verwaltungsgericht. In Bonn sollen die Fahrverbote für zwei zentrale Hauptverkehrsstraßen gelten. (dpa)