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Kultur 24.09.2018

„Das Leben leichter lachen“ – auch wenn’s im Hals stecken bleibt

Anna Piechotta präsentierte im „Pünktchen & Anton“ ihr neues Programm

Gewohnt bissig, schräg bis hochpoetisch präsentierte Anna Piechotta am Freitagabend im Pirmasenser Kulturcafé „Pünktchen & Anton“ ihr neues Programm „Das Leben leichter lachen “. (Foto: Fuhser)

Die Gesänge eines Buckelwals live in einem behaglichen Raum zu hören statt auf rauer See, mit einem Glas Wein auf dem Tisch davor, wo gibt es das schon? Im Kulturcafé „Pünktchen und Anton“ gab es genau das am Freitagabend: Anna Piechotta quietschte, röhrte und klagte den Walgesang in einem ihrer bissigen, schrägen und witzigen Liedern und parodierte damit zugleich den Hang zum Esoterischen, die CD mit Walgesängen gleich mit eingeschlossen.
Das Ganze packte die Musikkabarettistin dann zwischen spöttische Anmerkungen zu Texten von Howard Carpendale – den sie wohl mit Blick auf den eher fortgeschrittenen Altersdurchschnitt ihres Publikums im Kulturcafé ausgewählt hatte – und ein skurril-poetisches Lied über die Hausstauballergie einer Stuttgarterin.
„Das Leben leichter lachen“, ist das sympathisch klingende neue Programm überschrieben. Doch dass einem das Lachen dann öfter im Hals stecken bleiben kann, das hat Methode bei Piechottas Musikkabarett. Die völlig unbekümmert ihr an Klassik und Jazz geschultes Klavierspiel mit bösen bis anrührenden Texten voller Poesie mixt, mit dem Publikum locker plaudert und auch da einige kleine Gemeinheiten unterbringt. „Na, wie war denn ihr Tag so?“, fragte sie die Besucher ihres Auftritts. Wohl eher beschissen, wenn sie so in die Gesichter sehe, kam die „Analyse“ gleich hinterher.
Aber die Künstlerin kam ja auch mit dem im Programmtitel gemachten Versprechen nach Pirmasens, etwas dagegen zu tun. Ein Tipp der – wie sie sich selbst tituliert – „zertifizierten Küchenpsychologin“: „Seien sie Mitläufer!“ Und nie sich selbst und authentisch, dann klappt das auch mit den Nachbarn in Stadt und Dorf. Und als es um die Dorfidylle ging, bewies sie, glockenhell singend, auch gleich die tragische Unvereinbarkeit von Kätzchen und Traktoren. Und später am Abend auch jene von Ritterrüstungen und erektionalem Geschehen, natürlich immer in wohlgesetzten bis aberwitzigen Liedtexten.
Doch auch nachdenkliche Lieder hatte die Chanteuse und studierte Musikerin mit im Gepäck. Die Beschreibung der inneren Befindlichkeit einer Mutter mit Kind auf der Flucht, die auch im vermeintlich sicheren Ziel Deutschland nicht endet, zeigte eine Sängerin, die solch aktuelle „dunkle“ Themen ergreifend und doch mit einer gewissen Lakonie vorgetragen, mit großem Können umsetzt – aber bevor die Ergriffenheit aufs Publikum übergreifen kann, kippt sie diese Stimmung gleich mit rabenschwarzem Humor. Mit einem Lied zum Thema Nikotin beispielsweise, dessen brutale Symptom-Beschreibung, hübsch in Verse gesetzt, (fast) einen Raucher entwöhnen könnte.
Piechotta stellte in Pirmasens ihr neues Programm „Das Leben leichter lachen“ vor – so brandneu, dass es sich noch in der Erprobungsphase befinde, sagte sie: Sollte ein Lied, ein Thema gar nicht ankommen, werde es wieder eingepackt.
So ganz einfach dürfte es die Musikkabarettistin mit der Reaktion des Publikums auf die einzelnen Lieder und Themen nicht gehabt haben. Denn im „Pünktchen und Anton“ freut man sich gerne „eher nach innen“, und einfach ist es auch nicht, die Besucher zum „Halleluja“ schmettern zu animieren, auch wenn es für den Weltfrieden ist, oder bei der schrägen Empfehlung zum Lach-Yoga „hoho-hahaha“ in Serie zu lachen. Ob Piechotta den altbekannten politischen Schlachtruf „Ho, Ho, Ho Chi Minh“ hier als Vorlage verarbeitete – wer weiß? Egal, mit großem Applaus belohnte das Publikum am Ende das neue Programm. (mfu)