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Kultur 06.08.2018

„Du kannst als Schriftstellerin nur Feministin sein“

Krimi-Autorinnen über ihre Arbeit und die Bedeutung der Zusammenarbeit bei „Herland“

Fünf bekannte Krimiautorinnen und eine Verlegerin und Übersetzerin gestalteten am Samstagabend eine Lange Kriminacht: (von links) Katja Bohnet, Monika Geier, Christine Lehmann, Sophie Sumburane, Gudrun Lerchbaum und Else Laudan. (Foto: Fuhser)

Sechs der zwölf Autorinnen, die am „Herland“-Kolloquium teilnahmen, präsentierten sich bei der langen Kriminacht im Rheinberger. PZ-Mitarbeiter Markus Fuhser hatte vor der Lesung die Möglichkeit, mit ihnen zu sprechen.
Sie schreibe in ihren Krimis hyperreal, sagte die Autorin Katja Bohnet (Studium Filmwissenschaft und Philosophie) in einem kurzen Gespräch mit der PZ. „An den Rändern der Realität eher“, mit von Außenseitern besetzten Figuren, so die Autorin, die, wie sie sagt, zwischen Frankfurt und Köln lebt. Wichtig sei ihr, politisch zu sein, ihr Thriller „Kerkerkind“, im April auf der Krimibestenliste von FAS und Deutschlandfunk Kultur notiert, handle im Umfeld der NSU-Morde. Sie positioniert sich sehr direkt: „Du kannst als Schriftstellerin nur Feministin sein“, schreibt sie. Noch nie habe sie Frauenfeindlichkeit so subtil wie im Literaturbetrieb erlebt.
Ähnlich sieht es auch die vor allem in Stuttgart lebende (dort ist sie auch Stadträtin) Christine Lehmann. Dagegen hat sie ihre Ermittlerin Lisa Nerz gesetzt, die auch, „gendermäßig oszillierend, mit den Geschlechterrollen spielt“. Man gehe beim Schreiben auch immer mit Vorurteilen an Themen ran, sagt die Autorin, doch feste Ansichten stellten sich dann in Frage – auch das Geschlechterverhältnis. Zwölf Krimis um ihre Ermittlerin hat die Autorin geschrieben, der 13. sei in Arbeit, sagt sie.
Begonnen hat die in Wien geborene und wieder dort lebende Autorin Gudrun Lerchbaum (Studium Architektur und Philosophie) mit einem historischen Roman um die Figur des Andrea Palladio, bedeutendster Architekt der Renaissance in Oberitalien. „Beim Krimi fasziniert mich die Möglichkeit, aktuelle Themen in Versuchsanordnungen anzupacken“, sagt sie. Aufregend sei es, zu sehen, was passiere, wenn man an Grenzen gehe, seine Figuren in existenzielle Situationen schicke. Ihr neues Buch „Wo Rauch ist“ erschien ganz aktuell im August bei Ariadne.
Familiär sei sie mit Mozambique verbunden, sagt Sophie Sumburane (Studium Afrikanistik und Germanistik), der afrikanische Kontinent interessiere sie sehr. Ihr Online-Journal LitAfrika.com hat sich die Förderung der Literatur aus dem Subsahara-Afrika zur Aufgabe gemacht. Beim „Herland“-Kolloquium war sie zum ersten Mal dabei. „Den Austausch zwischen den Autorinnen bei „Herland“ finde ich sehr spannend“, sagt die Potsdamerin, das helfe auch, das eigene Denken zu hinterfragen. Dankbar sei sie für die Möglichkeit, für ihren neuen Roman mit dem Arbeitstitel „Im toten Winkel“ durch das „Herland“-Mentoringprogramm Unterstützung von anderen Autorinnen erhalten zu können.
„Herland ist doch ein tolles Fanal dafür, wie gut es klappt, wenn Frauen den Schulterschluss tun“, sagt Else Laudan (Diplomsoziologin und -sozialwirtin, Verlegerin, Übersetzerin), die in Hamburg lebt und arbeitet. Als ihre Hauptaufgabe sieht die „Herland“-Mitbegründerin das Betreuen des Ariadne-Programms, das Krimis von Autorinnen verlegt. Kriminalromane sehe sie als besonders starke Gegenwartsliteratur, die Konflikte und Widersprüche unserer Zeit sehr gut abbilde. Die „Herland“-Netzwerkerinnen blickten auf ein „sehr heißes Kolloquium“ in Kaiserslautern zurück, sagte Laudan. Die Unterstützung dort und hier durch die Pirmasenser Zeitung habe sehr geholfen. Und vieles sei noch bei „Herland“ in Planung.
„Superintensiv“ fand auch Monika Geier (Studium Architektur) das dreitägige Kolloquium. „Wir Zwölf konnten wichtige Gespräche führen, die uns, so hoffe ich, alle weiterbringen werden.“ Und sie sei schon stolz darauf, dass es mit der Organisation des Netzwerktreffens so gut klappte. Sie bedankte sich auch für die Unterstützung unter anderem durch die Pirmasenser Zeitung. Die Autorin lebt mit ihren drei Kindern in Thaleischweiler-Fröschen, ist auch Mitglied der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern und konnte dadurch das „Herland“-Kolloquium dort organisieren. (mfu)