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Landkreis Südwestpfalz 08.11.2018

Esel werden zum Politikum: 1 300 Unterschriften für Verbleib

Nachbarn stören sich an Eselhaltung – Gehört Gelände zu Bebauungsplan?

Seit fast 20 Jahren lebt auf dem Grundstück von Michael Leiser eine Eselfamilie. Aufgrund der Beschwerde eines Nachbarn prüft die Kreisverwaltung, ob sie die Haltung der Esel untersagen kann. (Foto: M. Meyer)

Fünf Eselchen aus Hauenstein sorgen zur Zeit für mächtigen Wirbel – und das nicht nur im Ort, sondern insbesondere in den sozialen Medien. Seit 20 Jahren hält Michael Leiser nun hinter seinem Haus Esel, früher auch Schafe. Nun wünscht ein zwei Häuser weiter lebendes Ehepaar, dass die Esel abgeschafft werden und hat sich mit dieser Forderung an die Kreisverwaltung gewandt.

SüDWESTPFALZ. Daraufhin haben sich die Sachbearbeiter der Bauabteilung bei einer Ortsbegehung einen Überblick verschafft und Leiser erklärt, dass in dem Mischgebiet die Haltung von Großtieren – wozu auch Esel zählen – nicht erlaubt sei. Den Kompromiss, dass er sich in einer Übergangsfrist von zwei Jahren einen neuen Stellplatz für seine Tiere im Außenbereich suchen möge, will Leiser nicht akzeptieren.
Mit einem Transparent vor seinem Haus bat er bereits in der vergangenen Woche um Unterstützung: In die ausliegenden Unterschriftenlisten haben sich bisher 1 300 Personen eingetragen. Ein Bekannter Leisers veröffentlichte am 3. November über Facebook eine Online-Petition, die bereits von 3 900 Personen unterschrieben wurde. Nachbarn Leisers sind eifrig dabei, weiterhin Unterschriften zu sammeln und wollen jetzt auf eigene Kosten ein Transparent erstellen lassen, um unter dem Motto „Die Esel müssen bleiben“ auf das Problem aufmerksam zu machen.
Die Esel gehören in Hauenstein offensichtlich einfach dazu. Die Ganztagskinder der unweit gelegenen Grundschule unterhalten unter Leitung von Leiser eine „Esel-AG“, die sich um die Tiere kümmert. „Wenn ich mit den Kindern erst noch in den Außenbereich laufen muss, brauche ich erst gar nicht anzufangen“, sagt er. Auch die Kindergartenkinder sind regelmäßig zu Gast, und ebenso regelmäßig kommen aus Pirmasens Behinderte, um die Tiere zu besuchen. Auch das inzwischen schon traditionelle „Advent am Eselstall“ bringt in jedem Jahr weit über 100 Besucher, die stets ein gut gefülltes Spendenkässchen zugunsten des Kindergartens oder eines anderen sozialen Projekts hinterlassen.
Vor acht Jahren sei einmal die Polizei bei ihm gewesen, weil es eine Beschwerde gegeben habe. Damals habe ihm die Verwaltung mitgeteilt, dass alles in Ordnung sei, wenn es nicht mehrere Beschwerden wegen Geruchs- oder Lärmbelästigung gebe, erzählt er. Es gab dann auch keine weiteren Beschwerden – und so blieb alles, wie es war. Das war auch der Grund, warum Leiser das zuvor gepachtete Gelände, auf dem die Esel stehen, inzwischen gekauft hat. Und dieses Grundstück ist überhaupt kein Bestandteil des Bebauungsplanes. Das bestätigte auf Nachfrage der Pirmasenser Zeitung Gerold Bernhard von der Verbandsgemeindeverwaltung. Man werde jetzt unter Hinzuziehung der Kreisverwaltung die Sachlage prüfen, erklärte er.
Am Montag wurde die Angelegenheit auch im Kreisausschuss thematisiert. Aufgrund des Wirbels, den die Esel in den sozialen Netzwerken verursachen, gab die Kreisverwaltung am Dienstag eine Presseerklärung heraus, in der mitgeteilt wird, dass man derzeit prüfe, ob „eine Tierhaltung in einem Mischgebiet mit Tendenz zum Wohngebiet in Hauenstein zulässig“ sei.
„Die Kreisverwaltung untersagt nicht grundsätzlich die Haltung von Eseln. In dem vorliegenden Fall handelt es sich dem Charakter nach um ein Wohngebiet. Dort ist die Haltung von Großtieren grundsätzlich nicht erlaubt. Um die verschiedenen Interessen auszugleichen, hat die Kreisverwaltung in einem Gespräch mit dem Eselhalter diesem einen Kompromiss vorgeschlagen. Damit eröffnet sie ihm die Möglichkeit, vorübergehend dort noch Esel zu halten. Ob es eine dauerhafte Möglichkeit der Großtierhaltung gibt, müsste durch die Ortsgemeinde in eigener Verantwortung geprüft werden. Die Ortsgemeinde entscheidet zunächst eigenständig, inwieweit sie Bedarf sieht, hier zu handeln. Als Aufsichtsbehörde kann die Kreisverwaltung immer nur innerhalb der geltenden Rechtslage entscheiden“, so deren Pressesprecher Torsten Höh.
Leiser versteht die Welt nicht mehr. „Wenn das Grundstück doch gar nicht Teil des Bebauungsplanes ist, sondern zum Außenbereich gehört, ist unverständlich, warum die Tiere nicht stehen bleiben können“, sagt er.
Eine erneute Anfrage beim Pressesprecher ergab, dass dies aus seiner Sicht nicht von Belang sei. „Es ist dem Charakter nach ein Wohngebiet und die Kreisverwaltung überprüft, ob eine Tierhaltung hier zulässig ist“, erklärte er.
Ortsbürgermeister Bernhard Rödig hat Leiser und das Ehepaar, das sich von den Eseln gestört fühlt, für heute Abend zu einem Gespräch eingeladen in der Hoffnung, gemeinsam eine für beide Seiten befriedigende Lösung zu finden. (lh)