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Stadt Pirmasens 13.09.2014

Mit eingebautem Rückenwind durchs Mühlental

PZ-Mitarbeiter Markus Fuhser hat den neuen Dynamikum-Radweg getestet – 24 Kilometer langer Rundkurs mit Steigungen

Die mächtige Brücke der Landesstraße 600 überspannt das idyllische Blümelstal.

Um es gleich zu sagen: die Kombination Dynamikum-Radweg und Pedelec ist eine tolle Sache. Auf gut beschilderten und meist angenehm zu fahrenden Wegen einen Bogen rund um Pirmasens zu schlagen und auch als Nichtsportler an Anstiegen dank elektrischem Rückenwind nicht gleich mit rotem Kopf, pfeifendem Atem und zitternden Beinmuskeln verzagen zu müssen, macht Spaß.

Hatte ich mir doch auf den Wetterkarten einen sonnigen Tag ausgesucht, der sich am Morgen aber gleich bedeckt und relativ kühl präsentierte. Doch wie sich zeigte, führte Petrus prima Regie, denn es erwies sich als gut, dass die Sonne nicht vom Himmel knallte. Das Pedelec, das Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor und Akku, das beim Treten unterstützend Schub liefern kann, holte ich samt einigen Tipps im Tourismusbüro im Rheinberger. Zehn Elektrofahrräder in zwei Größen stehen insgesamt zur Verfügung. Es ist ratsam, zu reservieren. Die Räder der Schweizer Marke Flyer machen einen sehr stabilen Eindruck und lassen sich gut fahren.
Der Radweg führt vom Westen der Stadt aus in einem Ring 24 Kilometer durchs Blümels- und Felsalbtal zurück nach Pirmasens. Und auch für Einheimische bietet der Dynamikum-Rundweg neue und schöne Eindrücke. Also Sattel einstellen, den Helm aufsetzen und vom Rheinberger geht es Richtung Blümelstal auf dem Neuen Streckweg entlang des Strecktalparks und unter der Streckbrücke hindurch.
Abwärts geht es und man kann sich mit dem Rad vertraut machen. Acht Gänge, am rechten Handgriff zu wählen, den Motor schaltet man links mit zwei Tasten in drei Stufen dazu. Eco, Normal und High. Eine kleine Anzeige gibt Auskunft über den gewählten Gang, die gefahrene Geschwindigkeit und die Streckenkilometer.
Ein altes Abwasserrohr schwingt sich auf Stelzen durchs Tal und wird vom Rundweg unterquert. Mit dem Klärwerk zur Rechten verlasse ich den letzten Außenposten der Bebauung und folge den Schildern und dem Weg entlang des Blümelsbachs. Die Wege sind gut aufgebaut, mit feinem Splitt auf der Fahrschicht. Nur bei schneller Fahrt steil bergab, was selten vorkommt, sollte man sich gut aufs Lenken konzentrieren. Radler mit privatem Stahlross sollten auf ein gutes Profil ihrer Reifen achten.
Die erste Steigung folgt, rechts windet sich ein Weg noch steiler hoch nach Hengsberg. Diesen mussten die Hengsberger, bevor es Wasserleitungen gab, jeden Tag gehen, um an die jetzt wieder neu gefasste Wasserquelle zu kommen. Und hier im Tal soll auch eine Siedlung, Aschbach, gewesen sein, bevor sie im Dreißigjährigen Krieg unterging, ohne Spuren zu hinterlassen.
Eindrucksvoll kommt dann eine der Riesenbrücken der L 600 in Sicht. Quasi als Ausgleich zu diesem mächtigen Betonbauwerk informiert eine Tafel über die Beweidung des Blümelstals durch Wasserbüffel. Friedliche Tiere, die aber auf Störungen auch empfindlich und unerwartet reagieren können, heißt es auf einem Schild. Und dann stehen sie da, die Büffel, im naturbelassenen Tal, mit ihren beeindruckenden Hörnern, und kümmern sich nicht um den fotografierenden Radfahrer. Die renaturierte Tallandschaft zu durchfahren, mit dem mäandernden Blümelsbach, den verstreuten alten Weiden und Erlen macht Freude.
Über die K 6 geht es bei Windsberg, dann weiter ins bewaldete Felsalbtal, das Mühlental an sich in der Pirmasenser Umgebung. Über eine dieser Mühlen, die es nicht mehr gibt, erzählt in drei Sprachen eine Infotafel am Weg: Die Rothmühle, 1723 gebaut und vor längerer Zeit abgebrannt. Ganz interessant auch das Schicksal der Dusenbrücker Mühle, von der auch kein Stein mehr existiert. 38 Infotafeln, alle sind noch nicht montiert, sollen die Radler und Wanderer informieren und unterhalten.
Kleine Steigungen waren nun auch schon zu bewältigen und ich konnte das elektrische Heinzelmännchen, den E-Motor, ausgiebig ausprobieren: Hilft ungemein und macht richtig Spaß. Auch auf den geraden Strecken rolle ich im Eco-Modus wunderbar leicht dahin.
Die Eichelsbacher Mühle lädt zur Rast ein, den Bauch vollschlagen sollte man sich aber nicht. Denn jenseits der L 482 führt der Weg kurz und sehr steil hoch. Hier sollte man rechtzeitig zurückschalten und den E-Motor voll fordern. Dann geht’s – und gleich darauf noch steiler bergab ins Tal zurück. Hier steht ein schöner Holzpavillon, der zur Rast mit gutem Blick ins Felsalbtal einlädt. Am Wasserwerk der Schelermühle vorbei kann das Pedelec an einer Steigung nochmal zeigen, was es kann, der Radfahrer auch. An zwei sehr trainierten Mountainbikefahrern bin ich locker vorbeigezogen. Ich hatte fast das Bedürfnis, mich für meinen elektrischen Rückenwind zu entschuldigen.
Die Rehmühle kommt dann in Sicht, der Weg wird zum Asphaltsträßchen, es rollt mit ein bisschen Unterstützung wunderbar dahin. Die alte „Hazienda“ grüßt, ich fahre ein Stück durch Niedersimten – und dann kommt es ganz dicke. Die Albert-Seibel-Straße steigt brutal an und der folgende Weg hält die Steigung. Im kleinsten Gang und E-Bike-Power schaffe ich es gerade so, auf die Pirmasenser Höhe hochzukraxeln.
Über den Rehpfad, die Walsterwiese und Arnulfstraße komme ich wieder ins Herz der Stadt, auf der Arnulfstraße noch auf einem Radweg – bis zur Waisenhausstraße. Dann wird’s kritisch. Kein Radweg, parkende Autos, viel Verkehr. Hier sollten die Touristiker eine andere Streckenführung finden. Über die Streckbrücke geht’s scharf rechts in die Roland-Betsch-Straße und wieder zum Rheinberger. 24,5 Kilometer bin ich gefahren, im Schnitt 17 Kilometer die Stunde und war maximal 39,5 Stundenkilometer schnell. Zwei Stunden war ich ohne Pause unterwegs. Die Beschilderung ist gut. Nur an der Eichelsbachermühle könnt ein weiteres Schild für eine bessere Orientierung sorgen, was auch Stefan Kreher und Sven Petran, zwei Mountainbiker, die ich unterwegs getroffen hatte, bestätigen. Und auch sie halten die Steigung von Niedersimten hoch für grenzwertig, sogar mit Pedelec werden viele schieben müssen. Hier müsste über eine Alternative nachgedacht werden. Auch ab der Waisenhausstraße wäre eine Strecke durch das Winzler Viertel besser. Darüber werde schon nachgedacht, sagt Rolf Schlicher, Chef des Touristikbüros. Und auch eine kleine Broschüre, die den Rundweg beschreibt und weitere Infos liefert, sollte den Pedelecfahrern in die Hand gedrückt werden. (mfu)