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Stadt Pirmasens 18.01.2018

Nachbesserungen werden kaum genutzt

Wie sich die Fahrplanänderungen der Stadtbusse seit der Einführung im Sommer entwickelt haben

Längst nicht mehr so stark genutzt wie in früheren Jahren und Jahrzehnten werden die Stadtbusse, die zum Waldfriedhof fahren. (Fotos: Norbert Scharf)

Die Bushaltestelle am Kaufland in der Wiesenstraße hat inzwischen nach Exerzierplatz und Bahnhof die dritthöchste Frequenz an Fahrgästen.

Die neuen Busfahrpläne der Stadtwerke haben sich als der richtige Schritt erwiesen, um den Pirmasensern weiterhin attraktive Buslinien bieten zu können, aber gleichzeitig die Kosten im Griff zu haben – und ganz nebenbei profitiert die Umwelt: Dieses Fazit zieht nach einem halben Jahr Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr. Nur 30 Beschwerden hat es nach der Fahrplanumstellung am 11. Juni gegeben, bei 6 000 Fahrgästen täglich. Die auf dieser Kritik basierenden Nachbesserungen auf den Linien 201 (Ruhbank) und 204 (Waldfriedhof) werden nicht in dem Maß angenommen, wie sie gefordert wurden – und daher noch einmal einer kritischen Prüfung unterzogen.

Auslöser der Fahrplanänderungen mit dem Ziel von Kosteneinsparungen waren Fahrgastzählungen aus dem Jahr 2016, die ein ernüchterndes Ergebnis erbrachten: 18 Prozent weniger Fahrgäste nutzten die Stadtbusse gegenüber einer Zählung fünf Jahre zuvor. Dieser Fahrgastrückgang bedeutet für die Verkehrsbetriebe auch einen Einnahmeverlust, denn ihr Anteil an den Erlösen des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) wurde ebenfalls nach unten korrigiert.
„Weil wir die klare Vorgabe haben, dass das jährliche Defizit der Verkehrsbetriebe nicht über 1,5 Millionen Euro steigen darf, mussten wir schauen, wie wir mit Augenmaß unser Fahrangebot anpassen und günstiger machen“, beschreibt Dörr die Ausgangslage. Als Ergebnis dieser Überlegungen wurde der aktuelle Fahrplan entworfen, der die finanzielle Zielsetzung bei möglichst geringen Einschränkungen erreiche, betont der Geschäftsführer. Ja, es seien sogar Verbesserungen erzielt worden, etwa dass die Linie 201 von der Ruhbank am Exerzierplatz alle Anschlüsse erreiche und auf der stark nachgefragten Achse vom Exerzierplatz zur Wiesenstraße ans Kaufland sogar ein 15-Minuten-Takt besteht. Generell werde trotz der punktuellen Veränderungen der 30-Minuten-Takt im Stadtgebiet und der 60-Minuten-Takt in den Vororten aufrecht erhalten.
Was aber hat sich verändert, welche Beschwerden gab es und wie wird die Veränderung akzeptiert?

Seit 11. Juni fahren die Stadtbusse nur noch bis zur Haltestelle „Platte“, der hintere Adolf-Ludwig-Ring mit den Haltestellen „Slevogtstraße“ und „Steinig Bühl“ werden nicht mehr angefahren. Die Verkürzung der Linie mit dem Wegfall der beiden gering frequentierten Haltestellen hat für die Stadtwerke den Vorteil, dass sie mit einem Bus den Exerzierplatz wieder rechtzeitig erreichen, um eine Umsteigemöglichkeit in andere Stadtbusse zu bieten – bislang waren zwei unterwegs. Den Fahrgästen auf der Ruhbank werden als Ersatz die Haltestellen „Platte“, „Rubensstraße“, „Pfalzblick“ und „Sengelsberg“ angeboten.


Nach Protesten und Beschwerden über die Linienverkürzung wurden nach wenigen Wochen täglich wieder vier Fahrten zur Endhaltestelle „Steinig Bühl“ aufgenommen. „Die Nachfrage war anfangs schon gering, inzwischen ist sie verschwindend gering“, zieht Gert Steigner, der Leiter der Verkehrsbetriebe, ein erstes Fazit: „Die Tendenz geht gegen Null, im Schnitt haben wir dort weniger als einen Fahrgast.“ Über einen Weiterbetrieb dieser vier Fahrten müsse nachgedacht werden, ergänzt Dörr.

Diese Linie hat bei jeder zweiten Fahrt eine kürzere Strecke, indem der Bus schon am zweiten Mittelweg auf dem Sommerwald wendet. Bei diesen Fahrten erfolgt der Rückweg über die Husterhöhe und den Hauptbahnhof. Auf der Strecke zum Weißhof wurde die Linie verlängert, denn die Busse fahren nun auch den Erlenteich an. Insgesamt seien die Änderungen auf der Linie 202 gut angenommen worden von den Fahrgästen, berichten Dörr und Steiger, lediglich einige Fahrgäste aus dem Erlenteich haben sich über längere Wege zu Haltestellen – etwa 150 bis 200 Meter – beklagt.

Diese Buslinie zum Waldfriedhof hat mit dem neuen Fahrplan einen neuen Weg über die Zeppelinstraße bekommen, die Haltestelle am „Haseneck“ wird überhaupt nicht mehr angefahren, und auch die Taktzeiten haben sich verändert. Über diese Neuerungen haben sich fünf Fahrgäste beschwert, als Reaktion darauf wird das „Haseneck“ am oberen Eingang des Waldfriedhofs wieder zweimal am Tag angefahren, so der Stadtwerke-Geschäftsführer, es gebe jedoch kaum Nachfrage nach diesem Angebot. Insgesamt wird diese Linie jedoch nicht allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt, betont Dörr, die Stadtwerke wollen damit den vorwiegend älteren Bürgern, die sich um Gräber auf dem Waldfriedhof kümmern, ein Minimalangebot an Mobilität bieten. Aber gerade bei dieser Linie machten sich die gesellschaftlichen Veränderungen, auch bei der Grabpflege, bemerkbar, ergänzt er, denn immer weniger Pirmasenser nutzen die Stadtbusse zum Waldfriedhof: „Im Jahr 2007 hatten wir noch bis zu 200 Fahrgäste täglich, 2016 waren es lediglich 30 Busnutzer.“

Diese Linie fährt seit der Einführung des neuen Fahrplans nicht mehr über den Kirchberg, stattdessen bedient die Linie 208 diesen Stadtteil in einem dichteren Takt.

Bei dieser Linie, die nach Erlenbrunn fährt, sind die beiden Fahrten um 11.20 und 12.20 Uhr entfallen.

Diese Linie fährt nicht mehr über die Husterhöhe, stattdessen hat die Linie 202 diese Strecke mit jeder zweiten Fahrt übernommen. Gestrichen wurden die beiden Haltestellen in der Mississippi Avenue, die durch eine neue Haltestelle in der Georgia Avenue ersetzt wurden. Auf der Teilstrecke über den Kirchberg verkehren die Busse dieser Linie im 30-Minuten-Takt, die Abfahrten ab dem Exerzierplatz erfolgen jeweils zur Minute 20 und 50, die Busse sind auf dem Hin- und Rückweg über die Schäfer- und Wiesenstraße unterwegs. Diese Veränderung hat auch ihren Grund: Die Bushaltestelle in der Wiesenstraße am Kaufland-Einkaufsmarkt hat inzwischen die drittbeste Frequentierung nach Exerzierplatz und Hauptbahnhof, berichtet Steigner. Durch die Veränderungen auf der Linie 208 wird sie nun gemeinsam mit anderen Linien im 15-Minuten-Takt bedient. Nur eine einzige Beschwerde hat es gegeben, weil die Linie 208 nicht mehr durch die Kaiserstraße führt und der Fahrgast einen weiteren Fußweg zur nächstgelegenen Bushaltestelle hat.

Diese Buslinie endet nun im Industriegebiet West mit teilweise geänderten Abfahrtszeiten, Reaktionen hat es darauf nicht gegeben.

Auf dieser Linie gibt es geänderte Abfahrtzeiten, die aber nicht zu Klagen der Fahrgäste führten.

Auf dieser Linie wurde die Teilstrecke Alleestraße, Kaiserstraße, Weißhof und Erlenteich gestrichen, die Stadtviertel am Weißhof und Erlenteich werden nun über die Linie 202 bedient. Die beiden Haltestellen in der Rheinstraße und Moselstraße entfallen, die betroffenen Fahrgäste können an den Haltestellen im Erlenteich zusteigen. Diese Änderungen haben zu fünf Kundenbeschwerden aus der Kaiserstraße geführt, für die sich der Fußweg zur nächsten Haltestelle um etwa 200 Meter verlängert hat. Doch werde gerade die Kaiserstraße mit mehreren Buslinien immer noch sehr gut bedient, betont der Leiter der Verkehrsbetriebe. Unverändert geblieben ist auf dieser Linie der Busverkehr zum Sommerwald.

An Samstagen ab etwa 15 Uhr und Sonntagen fahren die Stadtbusse auf den Innenstadtlinien 201, 206, 208 und 211 nur noch im 60-Minuten-Takt, der Horeb, der Erlenteich und die Rodalber Straße werden wegen der geringen Nachfrage über Ruftaxis bedient. Einige wenige Beschwerden habe es nach der Umstellung am Wochenende wegen zusätzlicher Wartezeiten beim Umsteigen am Exerzierplatz gegeben, berichtet Dörr, denn die Linien verkehren im Stundentakt zeitlich versetzt, um den Fahrzeug- und Personaleinsatz zu optimieren: „Daher entstehen beim Umstieg bis zu 30 Minuten Wartezeit.“

Neben den Fahrplanumstellungen gibt es aber noch weitere Veränderungen und flankierende Maßnahmen bei den Verkehrsbetrieben. Bisher gab es im Bürger-Service-Center schon eine Infotheke, die im ersten Quartal des neuen Jahres gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar zu einer Mobilitätszentrale am Exerzierplatz ausgebaut werden soll, kündigen Dörr und Steigner an. Durch persönliche Beratung und Information soll den Bürgern der Zugang zum Bus- und Bahnangebot erleichtert werden, gedacht wird dabei auch an neue Mobilitäts- und Tarifangebote. Im Gespräch ist aber auch die Ausstattung der Haltestellen an Exerzierplatz und Bahnhof mit Displays, die Ankunftszeiten der Busse in Echtzeit anzeigen. Allerdings ist dafür auch die Vernetzung der Stadtbusse notwendig.


Bei der Fahrgastzählung haben die Stadtwerke festgestellt, dass ihre Busfahrgäste im Schnitt immer älter werden. Aus diesem Grund wurde gemeinsam mit dem VRN das Angebot des Mobilitätstrainings für Senioren gemacht, das laut Dörr sehr gut angenommen wird. Alle bisherigen sechs Termine waren ausgebucht, Anfragen für weitere Schulungen liegen vor – sie sollen ab dem Frühjahr wieder angeboten werden.
Künftig soll die Entwicklung der Fahrgastzahlen nicht mehr nur punktuell, sondern permanent beobachtet werden. Einige Stadtbusse wurden mit automatischen Zählsystemen ausgestattet, sodass Veränderungen bei der Busnutzung früh zu erkennen sind und entsprechend auch gegengesteuert werden kann. (glö)