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Stadt Pirmasens 09.04.2018

Plädoyer für wehrhafte Demokratie

Anne-Frank-Ausstellung in der Alten Post eröffnet

Nach der offiziellen Eröffnung im Kuppelsaal der Alten Post sahen sich gestern viele Besucher die Ausstellung an, die das kurze Leben der Anne Frank in Frankfurt, im Versteck in Amsterdam und dann in den Konzentrationslagern zeigt. (Foto: Fuhser)

Der Umgang mit der Vergangenheit beantworte die entscheidende Frage, wie unsere Zukunft werden wird, sagte Theo Wieder, Vorsitzender des Bezirkstags der Pfalz bei der Eröffnung der Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ in der Alten Post am Sonntagmittag. Diese zeigt auf großen Schaubildern zusammen mit einigen Ausstellungsstücken und Filmmaterial die Lebensgeschichte des jüdischen Mädchens Anne Frank (1929 - 1945),das in einem Versteck in einem Amsterdamer Hinterhaus ein Tagebuch schrieb, das weltbekannt wurde.

Die kurze Lebensgeschichte der Anne Frank, die in der Ausstellung präsent werde, führe auch zu der zentralen Frage, wie sich eine zivilisierte Gesellschaft so entwickeln konnte, dass am Ende der Tod von Millionen Menschen stand. „Es begann in unseren Städten und endete in den Vernichtungslagern“, sagte Wieder. Auch in der Pfalz begann die Vernichtung der Juden mit der Gleichgültigkeit vieler, mit Ressentiments, mit offenem Hass. Und die Frage sei auch, hätten wir die Zivilcourage gehabt, uns entgegenzustellen, Juden zu verstecken, sagte Wieder, der den Anstoß gegeben hatte, die Wanderausstellung zum Leben und Tod des jüdischen Mädchens in Pirmasens zu zeigen. Er sah „erschreckende Parallelen“ in aktuellen Hasstiraden in sozialen Medien, besonders wenn man dort die Worte „Islam“ gegen „Judentum“ austausche.
Die Wanderausstellung hat das Anne-Frank-Zentrum Berlin zusammen mit dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam konzipiert. In diesem Jahr jährten sich Ereignisse von zentraler Bedeutung, sagte Patrick Siegele, Leiter des Anne-Frank-Zentrums bei der Eröffnung der Ausstellung. Vor 80 Jahren fanden die Novemberpogrome statt, 1938 verließen die ersten Transporte mit jüdischen Kindern Deutschland unter anderem mit dem Ziel England. Für die Familie Frank war das keine Option, sich von ihren Kindern zu trennen, sagte Siegele.
Nur Otto Frank, der Vater von Anne und ihrer Schwester Margot, überlebte als einziger der acht Juden, die sich in Amsterdam ab 1942 jahrelang in einem Hinterhaus versteckten. Die Ausstellung zeige auch, wie essenziell notwendig eine wehrhafte Demokratie und ein funktionierender Rechtsstaat sei, sagte Siegele.
Nach den Worten des Oberbürgermeisters Bernhard Matheis passt die Ausstellung hervorragend zur Gedenkarbeit der Stadt. Einzelschicksale wie jenes der Anne Frank machten es möglich, sich hineinzuversetzen in das persönliche Drama von Ausgrenzung und Verfolgung.
Matheis stellte als wichtigen Bestandteil der Ausstellung deren pädagogischen Ansatz heraus: Jugendliche werden Jugendliche durch die Ausstellung begleiten, rund 30 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren von verschiedenen Schulen haben sich als „Guides“ gemeldet und werden heute geschult. (mfu)